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Matera: Eine Höhlenstadt versteckt zwischen Hügeln

von Mehr Charlotte Held Reisesalzler

27 Juli 2015

Schon vor ihrer Reise hat sich Reisespezialistin Charlotte auf die älteste Stadt der Welt, die Höhlenstadt Matera, gefreut. Erbaut und erweitert über Jahrhunderte, sind die hellen Tuffsteingebäude versteckt zwischen Hügeln in einer leuchtend-grünen Natur.

Reisespezialistin Charlotte in Matera

Reisespezialistin Charlotte in Matera

Als ich meine Reise nach Süditalien plante stand eines für mich fest: Ein Besuch der Höhlenstadt Matera wird Teil meiner Reiseroute sein! Die ersten Anzeichen einer Siedlung haben Wissenschaftler ins Jahr 8.000 v. Chr. zurück datiert. Von der heutigen Stadt aus sind die alten Höhlen auf der anderen Seite des Tales auch gut zu erkennen. Das Leben in den geschützten Sassi (so werden die Höhlenräume genannt) ist angenehm, denn die Temperatur ist durch den Stein im Sommer und Winter gleichbleibend warm. Doch mit den ersten Wohnungen auf der Schattenseite verlagerte sich die Stadt schnell zur anderen Talseite, der heutigen Civita. Zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert entstanden die Stadtteile Barisano und Caveoso. Auf engstem Raum wurden Wohnungen für Landwirte gebaut, die Ihre Tiere im unmittelbaren Umkreis grasen ließen und die meiste Zeit im Freien auf den Wegen und Plätzen verbrachten. In den Wohnungen selbst, die meistens nur einen Raum hatten, mussten die Bewohner teilweise einige Leitern hinab klettern. Eltern, Großeltern, Kinder und auch kleinere Tiere, wie Hunde und Schafe teilten sich die einzige Schlafstelle. Im Mittelalter erfuhr die Stadt einen Aufschwung, einige wohlhabende Italiener zogen nach Matera, der Stadt zwischen den Küsten, zwischen Neapel und Apulien. Sie erbauten erstmals Palazzi, italienische Herrenhäuser, die ihrem Stand angemessen waren. So kam es, dass die Kirche aufmerksam wurde und einen Bischofssitz baute, den heute der Erzbischof von Matera-Irsina füllt.

Blick von der Sasso Caveseo auf den Parco della Murgia Materana

Blick von der Sasso Caveseo auf den Parco della Murgia Materana

Das Leben in Matera war vor allem im letzten Jahrhundert häufiger Fokus der Politik und der Öffentlichkeit Italiens, denn bis in die 1950er Jahre lebten in einer Höhle nicht nur Familien, sondern auch Tiere in nur einem Raum und einer einzigen Lichtquelle: der Tür. Einen tollen Überblick über diese Zeit konnte ich im Casa Noha erleben, mit kurzen Filmen wird die Geschichte der Stadt erzählt und hinterlässt einen bleibenden Eindruck über die Verhältnisse. Nachdem viele Materaner umgesiedelt wurden um gesundheitliche Probleme und die schlechte Lebensqualität zu bekämpfen, wurde das Alltagsleben in den Sassi selbst und den langsam zerfallenen Gebäuden in Angriff genommen. Die Bürger engagierten sich ihre Stadt wieder lebenswert zu machen, dabei zogen einige wieder aus den Vororten zurück in die Stadt. Mit der Initiative und der Veränderung kam Matera und die umliegende Region Murgia di Materana 1993 auf die Liste der UNESCO Weltkulturerbe.

Gassen zwischen den Sassi in Matera

Verwinkelt und erweitert: Sassi

 

Chiesa di San Francesco in Matera

Chiesa di San Francesco

Heute ist die Stadt immer noch voller Trubel, in den Straßen, auf den vielen Treppen und Plätzen vor dem Dom und dem Theater. Die alten Stadtteile liegen am Rand, mit einem wundervollen Blick auf das Tal. Kirchen scheinen aus dem Steinboden zu wachsen und Häuser stehen aufeinander, überlagern sich regelrecht. An vielen Ecken sind noch baufällige Gebäude zu finden, die noch saniert werden müssen, aber einen tollen Einblick in die Bauweise bieten. Ein bisschen so wie ein Freilichtmuseum :-). An vielen Ecken findet sich Kunst und unterstreicht das etwas andere künstlerische Italien. Moderne Skulpturen an alten Gebäuden, Nachbauten der Stadt, Blumenkübel und Sitzbänke sind in der ganzen Stadt verteilt, die Wege sind unterschiedlich gepflastert, manchmal eher praktisch orientiert und an anderer Stelle mit Mosaiken verziert. Einige Nachbarn schmücken gemeinsam ihren Straßenabschnitt, oder bepflanzen einen kleinen Platz oder eine Ecke die beim unüberlegten Bauen entstanden ist.

Kirche: Madonna Dell‘Idris

Kirche: Madonna Dell‘Idris

Wer mit dem Auto oder dem Moped  anreist muss sein geliebtes Fortbewegungsmittel am Eingang der Höhlenstadt parken, denn Stufen führen den Besucher hinauf in die Stadt. Auf Anhieb hatte ich Glück und konnte nur wenige Meter entfernt von der Kirche Madonna del Carmine mein Auto parken und bin dann direkt in die verwinkelten Straßen gelaufen. Egal wie häufig ich nach rechts oder links abgebogen bin und schon die Befürchtung hatte wieder umdrehen zu müssen, am Ende fand ich immer wieder dieses kleine braune Schild „itinerario turistico“. Der angelegte Touristenpfad erstreckt sich über die ganze Civita und führt Besucher entlang der Sakralbauten zwischen alten Höhlenhäusern, Museen, Grotten und großen Plätzen.

Schild "itinerario turistico" an eine Felswand in Matera

Die Schilder „itinerario turistico“ weisen den Weg durch die Stadt

Mit festen Schuhen habe ich mich einfach treiben lassen und stellte mir dann eine recht praktische Frage: Wie kommen die riesigen Terrakotta-Blumentöpfe auf die kleinen Vorplätze der Häuser? Werden Hubschrauber gemietet und die Nachbarschaft lässt einmal gemeinsam alles anliefern? Doch es geht viel einfacher, mit kleinen Rampen auf jeder Stufe werden alle schweren Dinge bis vor die Haustür geschoben, eine schweißtreibende Arbeit.

Eine kleine Pause auf einem belebten Platz in Matera

Eine kleine Pause auf einem belebten Platz in Matera

Nach nur einer Nacht führte mich meine Reise bereits in die nächste Region. Doch vorher wollte ich die Silhouette der Stadt noch einmal sehen. Zum Abschied fuhr ich zu der gegenüberliegenden Tal-Seite um den vollen Panorama-Blick auf Matera, mit den alten Stadtteilen und den neuen Hochhausbauten im Hintergrund zu genießen.

 

Ausblick Matera

 

Ausblick-auf-matera

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Hoehlen Matera


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