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Eine Reise durch den Himalaya in Indien

von Mehr Valerie Bold Produkt- und Projektmanager

16 August 2014

Im Norden von Indien lernt man eine ganz andere Seite dieses faszinierenden Landes kennen. Hier prägen die schneebedeckten Berge des Himalayas und der Buddhismus Land und Leben. Unserer Produktmanagerin Valerie ist bereits in Nepal durch den Himalaya gereist und hat ihn dort bei einem Trekking in Ruhe kennengelernt und genossen. Aber als großer Fan des Landes wollte sie auch schon lange den Himalaya in Indien bereisen. Dieses Jahr hat sie sich diesen Wunsch erfüllt und ist zusammen mit ihrer Mutter durch den nördlichsten Bundesstaat Indiens, Jammu und Kaschmir, gereist.

 

Von Srinagar nach Leh - Namika La

Von Srinagar nach Leh – Namika La

Der Bundesstaat Jammu und Kaschmir besteht eigentlich aus drei Teilen. Grob gesagt gibt es den hinduistisch geprägten Teil Jammu mit der gleichnamigen Winterhauptstadt des Bundesstaates. Die Region Kaschmir ist muslimisch geprägt. Hier liegt die stimmungsvolle Sommerhauptstadt Srinagar. Ladakh ist der buddhistisch geprägte Teil im Himalaya. Für meine eigene Reise hatte ich mir folgende Route ausgesucht: mit einem Inlandsflug von Delhi nach Srinagar, von dort über Land weiter nach Leh, ein Abstecher ins verborgene Nubratal und mit dem Flieger zurück nach Delhi.

 

Auf dem Nagin Lake Srinagar

Auf dem Nagin Lake Srinagar

Unsere erste Station war die Stadt Srinagar, die idyllisch am Dal Lake liegt. Hier haben wir auf einem stilvollen Hausboot gewohnt. Das Boot liegt nicht auf dem Dal See selbst, sondern am Ufer des viel ruhigeren Nachbarsees Nagin. Wir fanden die Ruhe am See und den Ausblick wunderbar. Wir saßen viele Stunden einfach auf der Veranda des Hausboots und haben dem gemächlichen Treiben auf dem See zugeschaut. Es gibt so gut wie keine Motorboote, deshalb hört man nur das Plätschern von den Rudern und am Abend die Gebete aus den Moscheen. Die Einheimischen nutzen die sogenannten Shikaras.

 

Auf dem Weg von Zoji La nach Mulbekh

Auf dem Weg von Zoji La nach Mulbekh

Das sind Holzruderboote, meist mit einem Dach und bunt bemalt. Damit rudern Sie Touristen wie uns über den See hin zu schwimmenden Gärten und über die Kanäle durch die Altstadt von Srinagar. Aber es gibt auch Shikara-Supermärkte, -Friseure und –Souvenirverkäufer.

Von Srinagar ging die Reise weiter in den Himalaya. Für die Fahrt nach Leh haben wir drei Tage eingeplant. Dabei war der erste Tag ein reiner Fahrtag. Gestört hat uns das nicht, denn die Aussichten während der Fahrt waren so abwechslungsreich und spektakulär; nach jeder Kurve hat man eine andere Perspektive. Das krasseste Stück war an diesem Tag wohl die Fahrt hoch zum Zoji La Pass auf 3530 Meter. Dort liegt im Juni noch Schnee! Viele Inder sind auch auf Reisen in ihrem eigenen Land unterwegs und es ist für sie hier oben oft das erste Mal, dass sie Schnee sehen. Dann legen sie sich rein, fahren mit dem Schlitten den Berg runter und machen unzählige Fotos. Ein lustiges Schauspiel.

 

Maitreya Statue Mulbekh

Maitreya Statue Mulbekh

Die Nacht haben wir in dem kleinen Ort Mulbekh verbracht. Hier gibt es nur wenige Unterkünfte. Wir haben in einem kleinen Guesthouse – dem besten des Ortes – geschlafen. Das Zimmer war sehr einfach mit niedrigen Zimmerdecken. Warmes Wasser zum Duschen wurde uns am Morgen in einem großen Eimer gebracht. Und das Frühstück gab´s im Garten unter strahlend blauem Himmel. Aber das Allerbeste der Unterkunft waren unsere Gastgeber. Sie waren so herzlich, aufmerksam und haben viel gelacht. Obwohl wir nicht mit ihnen reden konnten – wir sprechen kein Ladakhi, sie kein Englisch – war es eine tolle Begegnung.

Das Highlight von Mulbekh ist der in Stein gehauene, 8 Meter hohe Maitreya-Buddha. Das ist der Buddha der Zukunft. Daneben gibt es noch den Buddha der Gegenwart und den Buddha der Vergangenheit. Bei einer Reise durch den Himalaya und zu vielen verschiedenen Klöstern begegnet man diesen drei Buddhas immer wieder. Der Guide, der uns begleitet hat, hat uns viel darüber berichtet. Wenn man ins Detail geht, wird es aber doch ziemlich komplex und wir waren froh, dass wir am Ende keinen Test schreiben mussten.

 

Auf dem Weg von Srinagar nach Leh - Fotu La

Auf dem Weg von Srinagar nach Leh – Fotu La

An diesem Tag haben wir noch andere Pässe überquert. Da wir insgesamt schon auf einer großen Höhe waren, war die Fahrt zu den Pässen Fotu La und Namika La nicht ganz so spektakulär wie am Vortag. Trotzdem waren die Landschaft und die Panoramen atemberaubend. Apropos Atem: Wir hatten uns zuvor schon Gedanken wegen der Höhe gemacht und ob wir sie vertragen würden. Natürlich haben wir uns in Deutschland Medikamente zur Vorsorge und Behandlung gekauft. Aber gebraucht haben wir sie nicht. Da wir von Srinagar über den Landweg nach Leh gereist sind, kann sich der Körper langsam an die Höhe gewöhnen. Das macht die Sache einfacher als wenn man direkt aus Delhi nach Leh fliegt. Zudem haben wir viel getrunken und immer die Autofenster geöffnet gehabt, damit wir uns an die Luft gewöhnen. Beim Treppensteigen ging uns zwar schon schneller die Luft aus und ein oder zweimal hatten wir auch leichtes Kopfweh, aber das ging immer schnell vorbei.

 

Lamayuru

Lamayuru

Das Kloster von Lamayuru hatte ich vorher schon auf vielen Fotos gesehen. Aber wenn man dann wirklich mit eigenen Augen ins Tal und auf das Kloster blickt, ist das doch nochmal ein besonderes Erlebnis. Wir waren fast etwas überrascht, dass so wenige Touristen dort waren.

 

Zwischen Temisgan und Alchi

Zwischen Temisgan und Alchi

Der Indus fließt durch diesen Teil des Himalayas. Er hat eine milchig-türkise Farbe und bildet einen starken Gegensatz zu der teilweise sehr kargen, steinigen Landschaft. Aber hin und wieder tauchen dann grüne Oasen auf. Auch der kleine Ort Temisgan, in einem Seitental gelegen, ist ein solcher grüner, fruchtbarer Fleck. Der Aufstieg zum alten Palast war wieder etwas anstrengend, auch wenn es nur etwa 20 Minuten gedauert hat. Aber gelohnt hat es sich! Denn von da oben hat man einen Rundumblick über Temisgan sowie die umliegenden Täler.

 

Und in der Ferne sieht man schon das Tai Dorf. Der Besitzer des Hotels hatte uns empfohlen, dort noch hinzufahren. Das haben wir gemacht und es hat sich gelohnt. Das Besondere an dem Dorf ist, das es auf einer Bergkuppe liegt und die Häuser verschachtelt und übereinander gebaut sind. So sind schmale Gänge und Tunnel entstanden, durch die die Einheimischen gehen müssen, um zu ihrem Haus zu gelangen, und durch die man als Besucher auch durchschlendern kann. Eine wirkliche Orientierung hatten wir nicht. Aber man kann sich einfach treiben lassen und kommt schon irgendwo wieder raus.

 

Einheimische Frau in traditioneller Kleidung

Einheimische Frau in traditioneller Kleidung

Im Gegensatz zu Lamayuru war das Kloster von Alchi schon fast touristisch. Da es nicht weit von Leh entfernt liegt, kommen viele Touristen während eines Tagesausflugs hierher. Man läuft von dem kleinen Parkplatz durch eine Gasse voller Souvenirstände zum Kloster (zum Shoppen super!). Die Lage ist vielleicht weniger spektakulär als von Lamayuru oder Thiksey, denn es liegt im Tal, aber die einzelnen Gebäude und das stimmungsvolle Innere der Gompas mit den alten Fresken hatte auf uns eine magische Wirkung. In dem Inneren der meisten Klöster darf man keine Fotos machen, deshalb kann ich Ihnen hier keines zeigen. Dafür gibt es ein Bild von einer einheimischen Frau in ihrer traditionellen Kleidung. Ich kannte diesen Stil vorher nicht. Und es hat mich eher an Südamerika erinnert…

 

Von Alchi nach Leh

Die Straßen sind teilweise richtig gut ausgebaut. Wie gesagt sind auch viele indische Touristen hier oben unterwegs, die, wie wir auch, in bequemen Autos reisen. Die einheimische Bevölkerung nutzt für den Transfer zwischen den Orten lokale Jeeps und Busse. Dieser hier war so voll, dass auf dem Dach noch viele Leute Platz nehmen mussten. Eigentlich wäre ich auch gerne ein Stück auf dem Dach mitgefahren, aber ehrlich gesagt, für eine längere Strecke wird das sicherlich ziemlich unbequem. Obwohl es tagsüber in der Sonne recht warm ist, sorgt der Fahrtwind – selbst im Auto – für Abkühlung. Und mit den vielen Kurven muss man sich ununterbrochen gut festhalten.

 

Ausblick auf Leh

Ausblick auf Leh

Nach so vielen Tagen voller Ruhe schien mir Leh ziemlich lebhaft. Viel Verkehr, viele Läden und auch viele Touristen. Aber für eine indische Stadt ist Leh natürlich sehr sehr klein. Und tatsächlich sind die für uns als Touristen interessanten Ziele alle in Fußnähe – nur eben teilweise mit Treppensteigen verbunden. Sie können den Palast besuchen. Hier gibt es eine Menge dunkler, ungenutzter Räume, aber auch Ausstellungsräume. Als wir da waren, gab es eine Ausstellung zu Schlössern in Tschechien. Man kann bis zum Dach des Palastes hinaufsteigen und von dort auf die Altstadt, das lebhafte Geschäftsviertel, in dem zur Zeit viel gebaut wird, und die Berge in der Ferne blicken. Am Nachmittag ist auch ein Spaziergang zur Shanti Stupa im Westen der Stadt empfehlenswert. Denn dann fällt das beste Licht auf Leh und man kann herrliche Panoramafotos machen.

 

Der Dalai Lama in Leh

Der Dalai Lama kommt in Leh an

Unser Guide hatte uns erzählt, dass der Dalai Lama demnächst nah Leh kommen würde. Und an einem Morgen stand unser Guide schon etwas früher als verabredet an unserem Hotelzimmer. Der Dalai Lama würde gleich landen, ob wir nicht hinfahren wollten, um ihn zu sehen. Na, das wollten wir natürlich auch, wenn man schon mal die Möglichkeit hat. Es standen schon viele Leute entlang der Straße, teilweise in traditioneller, teilweise in westlicher Kleidung. Einige hatten Blumen oder Räucherstäbchen in der Hand. Wir mussten noch eine Weile warten, bis was passierte. Aber dann kamen die Autos vom Flughafen. Mönche saßen darin, Frauen in ihrer Festtagskleidung, und dann das Auto, in dem der Dalai Lama saß – winkte – und lächelte. Genauso, wie ich mir ihn und seine Aura vorgestellt hatte.

Von Leh aus haben wir einen Ausflug mit Guide zu den Klöstern im Süden gemacht: zum Kloster von Hemis und Thiksey sowie zum Palast von Shey.

 

Esel Hermis

Ein neugieriger Esel in Hemis

 

Der Ausblick von Thiksey

Der Ausblick von Thiksey

 

Buddha von Thiksey

Der große, sitzende Buddha von Thiksey. Er geht über zwei Geschosse. Normalerweise betritt man diesen Tempel im zweiten Stockwerk und steht so einem Gesicht gegenüber.

 

Kloster zwischen Leh und Thiksey

Eines der Klöster zwischen Leh und Thiksey, imposant auf einem Hügel im Tal gelegen.

 

Fahrt zum Khardung La

Der Khardung La ist einer der höchsten befahrbaren Pässe der Welt

Dieser Ausflug war sehr spannend und wir konnten noch einmal viel über die Kultur und Religion lernen.

Von Leh aus haben wir auch eine Dreitagestour ins Nubratal gemacht. Um dahin zu kommen, muss man den Khardung La überqueren. Mit 5.360 Meter ist er der höchste befahrbare Pass der Welt. Auch hier hatte ich wieder etwas Sorge wegen der Höhe. Aber man macht nur eine zehnminütige Pause, um einen Tee zu trinken und natürlich ein Beweisfoto zu machen. Und sobald man auf der anderen Seite hinab ins Tal fährt, das nur auf rund 3.000 Meter liegt, geht es dem Körper schon wieder besser.

 

Von Hundar nach Khadrung La

Das ruhige Nubra Tal

Im Nubra Tal geht es herrlich entspannt zu. Es gibt sozusagen keinen Durchgangsverkehr wie zwischen Srinagar und Leh und ist entsprechend sehr ruhig.

 

Hundar

Im Ort Hundar

Dafür gibt es kleine Ortschaften mit alten Gompas. Der für mich schönste Ort, in dem wir auch übernachtet haben, war Hundar. Obwohl es ein Ort mit vielen Gasthäusern ist, sind wenige Touristen unterwegs. Am Morgen sind wir durch die kleinen Straßen spaziert. Frauen bringen die Kühe hinaus und tragen einen Korb auf dem Rücken, den sie mit Gras oder Holz füllen und nach Hause bringen werden. Hier und da stehen Gebetsmühlen. Die Einheimischen stoßen sie an, um die Gebete freizusetzen. Und da die Gebetsmühlen oft eine Glocke haben, ertönt immer wieder das zarte Gebimmel.

 

Sandduenen im Nubra Tal

Die Kamele warten auf den Abmarsch

Im Nubratal gibt es auch Dünen – und Kamele! Wenn Sie wollen, dann können Sie einen Ritt durch die Dünen machen. Oder einen Spaziergang. Das haben wir gemacht, aber nicht zu weit, denn das Laufen im Sand ist, vor allem wenn man eine Düne erklimmen will, doch anstrengend.

 

Blick Flug von Leh nach Delhi

Bei guter Sicht sieht man gut das beeindruckende Bergmassiv

Am Ende unserer Nordindienreise ging es per Flugzeug von Leh zurück nach Delhi. Der Flug dauert nur etwa 80 Minuten, aber – für mich überraschend – ist man mindestens die Hälfte der Zeit noch über Berge geflogen. Von da oben konnten wir also nochmal eine tolle Aussicht über den Himalaya genießen. Viele Gipfel und Bergkämme sind noch voller Schnee, man sieht weit verzweigte Täler – und wenige Siedlungen. Eine unberührte, wilde Landschaft. Auch das ist Indien.


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2 Kommentare
Esther, 19. August 2014, 14:18 Uhr

Liebe Valerie,
Du hast wunderbar von Deiner Reise berichtet und sehr schöne Bilder gemacht. Da bekomme ich richtig große Lust, meine 7 Sachen zusammenzupacken und loszuziehen… Dankeschön für Deine Eindrücke!

Heike Propst, 19. September 2014, 08:49 Uhr

Liebe Valerie, ganz fasziniert habe ich Deinen Artikel gelesen und möchte diese Reise – genau diese – auch machen. Ich bin ab 16. Dezember zwei Monate in Sri Lanka und würde von da aus nach Srinaga fliegen. Kann ich Dich über erlebe-fernreisen kontaktieren?

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