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Zu Besuch bei den Bribri

von Mehr Marc Brouwers Reisespezialist

14 Oktober 2016

Unser Reisespezialist Marc war gemeinsam mit einem Freund in Costa Rica unterwegs und ist um eine tolle neue Erfahrung reicher zurückgekommen. Was er dort Außergewöhnliches erlebt hat, hat er für uns festgehalten.

Die abwechslungsreiche Natur und die zahlreichen Tierarten begeistern mich immer wieder bei meinen Reisen durch Costa Rica. Aber wie ist es wohl, bei einer indigenen Familie zu übernachten? Diese Frage habe ich mir vor meiner Reiseplanung gestellt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich dies gerne herausfinden möchte.

Also plante ich meine Reise so, dass ich mit einem Freund zunächst nach San Jose flog, südlich nach Puerto Viejo und von der karibischen Küste aus zu der indigenen Familie, den Bribri fuhr. Auf dem Weg dorthin kribbelte es bereits in meinem Bauch und ich machte mir viele Gedanken  – Wie leben die Bribri überhaupt? Wie verständigen wir uns? Wie nehmen sie uns auf? Sind die Bewohner freundlich? Ich hoffte, dass ich in den zwei Tagen auf all diese Fragen eine Antwort bekäme. Nach etwa einer Stunde Fahrt und vielen Gedankenspielen erreichten wir schließlich von Puerto Viejo aus das kleine Dörfchen Bambu, die Anlegestelle für das Abenteuer im Bribri-Dorf. Ein Mann näherte sich mit frischen Lebensmitteln und stellte sich sehr freundlich auf Englisch vor: „Ich bin Umberto und freue mich, euch unser Dorf zeigen zu dürfen…“ Nachdem wir uns auch kurz vorgestellt haben gingen wir zum Ufer, wo auch bereits ein weiteres Familienmitglied mit einem Kanu auf uns wartete. Auch dieser stellte sich uns mit einem Lächeln im Gesicht vor. Umberto setzte sich nach hinten zum Motor, wir beide in die Mitte und Umbertos Bruder ganz nach vorn. Dass dieser noch zur wichtigsten Person werden würde, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.

Umbertos Bruder beobachtet die Wassertiefe

Umbertos Bruder beobachtet die Wassertiefe

Nach zehn Minuten zügiger Fahrt wurde das Boot plötzlich langsamer und der Motor ging aus. Wir schauten uns verdutzt an und dachten nur: „Haben wir keinen Sprit mehr?“ Doch dann schauten wir aus dem Kanu und konnten unerwarteterweise den nur noch zwanzig Zentimeter tiefen Boden sehen. Also schnappte sich der vordere Bribri ein langes Holzstück und stieß uns fest vom Boden ab, während Umberto uns von hinten anschob. Dieser Vorgang wiederholte sich gefühlte 20 Mal bis wir nach gut anderthalbstündiger Kanufahrt auf dem Fluss zwischen Costa Rica und Panama die richtige Anlegestelle erreichten. Nach der abenteuerlichen Fahrt folgte dann noch ein 15-minütiger Fußmarsch an Kakao- und Bananenplantagen vorbei bis hin zur Bribri-Familie von Umberto und seinem Bruder. Im Haupthaus wartete schon ein weiterer Teil der Familie, der uns freundlich auf Englisch und auf Spanisch begrüßte. Im Haupthaus zog uns ein leckerer Geruch in die Nase und wir ahnten schon, dass dies das Willkommens-Gericht werden wird. Es gab gebratene Bananen, Hähnchenkeule mit Reis, Bohnen und frischen Tomaten. Zu guter Letzt gab es dann noch Ananas aus dem eigenen Garten. Gesättigt haben wir dann das Gepäck in unser Zimmer gebracht und ruhten uns kurz in den Hängematten aus. Uns beiden sind direkt Steine vom Herzen gefallen und wir freuten uns auf das weitere Abenteuer und das Kennenlernen der indigenen Bribri-Familie. Gegen Mittag zogen wir uns die Wanderschuhe an, packten einen Rucksack mit Schwimmsachen und machten uns mit Umberto auf zu einer kleinen Wanderung. An Schule und Universität vorbei ging es weiter zu den Bananenplantagen bis hinunter zum Fluss. Unterwegs erzählte er uns interessante Dinge über den Bananen- und Kakaoanbau und dass die umliegende Bribri-Dorfgemeinschaft im Regenwald aus circa 400 Personen bestünde. Insgesamt gäbe es knapp 6.000 Bribri-Bewohner, die am Fluss zwischen Costa Rica und Panama leben und ihre eigene Sprache hätten.

Spielende Kinder im Fluss zwischen Costa Rica und Panama

Spielende Kinder im Fluss zwischen Costa Rica und Panama

Nach einer Abkühlung im Fluss ging es zurück zur Familie, wo wir anschließend unsere eigene Schokolade hergestellt und mit frischer Sternfrucht verkostet haben. Mit dem Anbau von Kakao verdienen die Einwohner ihr Geld, wobei dies bis heute nur im Anfangsstadium, also als Kakaofrucht, exportiert wird. Das Ziel sei es, in den nächsten Monaten eine Maschine zu bauen, die die Frucht zu Schokolade produziert und die Familie somit mehr damit verdienen könne. Nach der Einführung und Verkostung ging es zurück in unsere Hängematte, wo wir das ausgesprochen gute Wetter genießen konnten.

Handarbeit bei der Herstellung von Schokolade

Handarbeit bei der Herstellung von Schokolade

Am Abend hieß es dann wieder lecker bekochen lassen und sich mit den Bribri auszutauschen. Dabei stellte sich heraus, dass sich ein Teil der Familie kurz vor Mitternacht aufmachen würde zum Nachtangeln. Natürlich fragten wir, ob wir sie begleiten dürften und machten uns schließlich später auf zum Fluss. Ausgestattet mit einer Taschenlampe ging es dann voller Vorfreude – gepaart mit etwas Angstschweiß – durch den Regenwald bis hin zu einer Stelle, wo die Fische entlang schwammen. Nach etwa zwei Stunden ging es mit zahlreich gefangenen Fischen zurück zum Dorf und ins Bett.

Über Stock und Stein geht es zum Wasserfall auf der panamaischen Seite

Über Stock und Stein geht es zum Wasserfall auf der panamaischen Seite

Geweckt vom Krähen der Hähne und fröhlichem Vogelgezwitscher ging es für uns am nächsten Morgen zum Frühstück – natürlich sind wieder frische Ananas, Melonen und gebratene Bananen mit dabei. Gestärkt packten wir anschließend unsere Schwimmsachen und machten uns auf zu einem Wasserfall auf der panamaischen Seite. Unterwegs haben wir noch Tiere, wie zum Beispiel Tukane und Pfeilgiftfrösche entdeckt, die wir fleißig fotografierten.

Gut getarnte Giftfrösche in den Bäumen von Panama

Gut getarnte Giftfrösche in den Bäumen von Panama

Nach gut zwei Stunden liefen wir über Stock und Stein zurück zu den Bribri. Dort zog auch schon wieder ein leckerer Duft über das Dorf, denn unser Mittagessen wurde vorbereitet. Sehr zu unserer Freude gab es für uns den in der Nacht noch frisch gefangenen Fisch, serviert mit Reis, Bohnen und Ei – einfach köstlich! Anschließend ruhten wir uns noch kurz in den Hängematten aus, bevor es zur Verabschiedung der Bribri-Familie ging. Herzlich umarmten wir uns und machten noch gemeinsam Fotos zum Andenken. So gingen wir mit Umberto zur Anlegestelle und fuhren zurück nach Bambu. Auch von ihm verabschiedeten wir uns und wussten in diesem Moment, dass sich das Abenteuer, eine indigene Familie zu treffen, definitiv gelohnt hat. Bezüglich des Bauchkribbelns und der Fragen, die ich mir gestellt habe, kann ich sagen, dass die Bribri-Familie sehr, sehr freundlich ist, uns gut aufgenommen hat und wir uns auf Englisch oder eben mit Händen und Füßen verständigen konnten. Ich bin jedenfalls sehr froh darüber, dass ich meine letzte Reise so geplant habe und einen Teil der Dorfgemeinschaft kennenlernen durfte.

Ein Abschiedsfoto durfte mit der Bribri-Familie nicht fehlen

Ein Abschiedsfoto mit der Bribri-Familie durfte nicht fehlen

Wenn auch Sie in das Leben der Bribri-Familie eintauchen möchten, dann schauen Sie sich doch unseren Baustein an und kombinieren Sie diesen mit einem Strandaufenthalt in Puerto Viejo oder Cahuita.


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2 Kommentare
Christine Rupp-Kuhl, 9. Februar 2017, 09:51 Uhr

Was ein schönes Erlebnis. Mich interessiert, wo und ob die BriBri Kinder die Schule besuchen. Welche Chancen haben sie? Ich hörte, dass sie sich keine Schulkleidung leisten können und somit vom Besuch einer Schule ausgeschlossen sind. Der Kauf von Schulheften muss twuer sein. Was habt ihr erfahren? Ich möchte BriNri Kinder unterstützen. Ich freue mich über weitere Infos. Vielen Dank Christine Rupp-Kuhl

Marc Brouwers, 22. Februar 2017, 10:10 Uhr

Hallo Frau Rupp-Kuhl. Ja, es war definitiv ein schönes Erlebnis. Die Bribri-Kinder besuchen einen Kindergarten oder eine Schule in der eigenen Gemeinde. Bei der Familie, die ich kennen lernen durfte war es so, dass die Jugendlichen eine weiterführende Schule besucht und außerhalb des Bribri-Dorfes studiert haben. Ob dies zu jeder Familie zu sagen ist, ist natürlich schwierig. Jedenfalls ist es schön zu hören, dass Sie die Bribri-Kinder unterstützen möchten. Sie freuen sich immer über kleine Geschenke, wie zum Beispiel Schulhefte oder Buntstifte. Liebe Grüße, Marc

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