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Zuhause bei tibetischen Nomaden

von Mehr Anja Möser Produktmanagement Kenia, Tansania, Vietnam, Myanmar, China

11 Mai 2017

Anja hat auf ihrer China Reise die tibetisch geprägten Orte Xiahe, Langmusi, Songpan und Jiuzhaigou besucht. Auch wenn sie nicht in der autonomen Region Tibet unterwegs war, hat sie viel über die Kultur, den Glauben und die Lebensweise der Tibeter gelernt. 

 

Nervös sitze ich im Minivan und beäuge den Eingang zur Wohnung einer tibetischen Nomadenfamilie. Ein gigantischer Mastiff, immerhin die größte Hunderasse der Welt, hält dort ein Nickerchen. Eigentlich mag ich Hunde sehr und eigentlich sieht er aus wie ein zu groß geratener Teddybär – andererseits ringen mir noch die Ermahnungen meiner tibetischen Reiseführerin Ivy in den Ohren. Diese Hunde haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt und sind Fremden gegenüber äußerst misstrauisch. Als der freundlich lächelnde Familienvater mein Zögern sieht, zieht er den schlafenden Hund schnell zur Seite, so dass ich unbehelligt, und mit allen Gliedmaßen intakt, die Wohnung betreten kann.

Es gab auch einen Familienbeschützer in Ausbildung

Es ist eine von der Regierung gestellte Behausung. Die hölzernen Bauten wurden errichtet, damit die Nomaden während der eisig kalten Winter ein festes Dach über ihren Köpfen haben. Schüchtern zeigt mir der Familienvater die verschiedenen Räume. Das dauert ganze zwei Minuten – so klein ist die Wohnung. Besonders angetan hat es mir ein buddhistischer Altar mit dem Bild des Dalai Lama. Als Ivy, die selbst Buddhistin ist, einen Blick auf das Bild erhascht, erstrahlt ihr ganzes Gesicht. Mit tief bewegter Stimme erzählt sie mir, wie sehr sie seine Heiligkeit liebt und wie glücklich es sie macht sein Gesicht zu sehen.
Anschließend soll ich mich auf das Bett der Kinder setzen. Am Fußende befinden sich zwei Herdplatten. Eine schmale Ablagefläche, die gleichzeitig als Küchentisch und als Schreibtisch für die Schulaufgaben der Kinder dient, unterteilt das Bett in zwei Bereiche.

Bett der Kinder, Hausaufgabenbereich und Esszimmer in einem

Während der Familienvater Mehl, Yak-Käse und andere Dinge aus einem kunstvoll geschnitzten Schrank holt, lugt das mutigste der Kinder – ein vielleicht acht Jahre alter Junge – immer wieder durch das Fenster hinein und schenkt mir ein freches Grinsen.
Ivy verknetet das Gerstenmehl mit Käse, Tee und reichlich Yak-Butter zum tibetischen Grundnahrungsmittel Tsampa. Mit einem entschuldigenden Lächeln erklärt sie mir, dass sie selbst nichts davon essen wird, da ihr nur gesüßtes Tsampa schmeckt. Das Luxusgut Zucker ist jedoch für die bescheidene Familie nicht erschwinglich. Ich solle aber ruhig probieren. Zwischen den Handflächen rolle ich etwas Tsampa zu einer Kugel zusammen und beiße beherzt hinein. Schmeckt ein bisschen wie roher Brotteig. Nicht schlecht… aber auch nicht wirklich mein Fall. Trotzdem esse ich noch mehr, denn ich will diese freundliche und großzügige Familie nicht beleidigen.

Ivy verknetet verschiedene Zutaten zu Tsampa

Bevor Ivy und ich zurück zum Auto zurückgehen, bekomme ich noch ein Stück frische Yak-Butter geschenkt und wir machen ein Gruppenfoto mit dem Familienvater und seinen Kindern. Diese warmherzigen Menschen haben einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Immer wieder werde ich während meiner weiteren Reise und auch darüber hinaus an die kleine Familie denken. Es ist bemerkenswert, wie großzügig sie mir – einer Fremden – gegenüber waren. Ich nehme mir fest vor, mein eigenes Leben an ihrem Vorbild zu orientieren.

Abschiedsfoto mit der Familie

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