Tena oder Cuyabeno? Unterschiede der Dschungel in Ecuador

von Mehr Annette Warncke Reisespezialistin

1 September 2017

Auch wenn die meisten Menschen Ecuador mit den Anden und Galapagosinseln verbinden, gibt es doch mehr in diesem kleinen südamerikanischen Land zu entdecken. Im ecuadorianischen Dschungel gibt es zum Beispiel viele Möglichkeiten exotische Tiere zu beobachten. Dafür bieten sich Tena (am Rand des Dschungels) und das Cuyabeno Reservat (tief im Amazonasgebiet) an. Unsere Reisespezialistin Annette erzählt von ihren eigenen Erfahrungen und gibt einen Überblick über diese beiden Dschungel in Ecuador.

Unterwegs im Dschungel Ecuadors

Ich stehe vor einer schwierigen Entscheidung: Ich möchte gerne in kurzer Zeit so viel von Ecuador sehen und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Freunde geben mir den Tipp den Bus nach Tena zu nehmen. Von Quito kommt man in circa vier bis fünf Stunden dorthin. Wer es bequemer haben will, entspannt vorher in den Quellen von Papallacta und lässt sich dann dorthin fahren. Mitten auf der Straße in den Bus zu steigen ist nicht empfehlenswert – glauben Sie mir.

Übergang zwischen den Anden und dem Dschungel

Der Dschungel rund um Tena

Es gibt eine Vielzahl von Lodges, die unweit von Tena Aufenthalte für jeden Geldbeutel anbieten. Einige sind mit dem Auto zu erreichen, andere nur per Kanu. Manche haben Strom, andere nur Öllampen und um 18 Uhr wird es so schlagartig dunkel, dass es gut ist eine Taschenlampe dabei zu haben. Auf dem Weg zur eigenen Holzhütte begleiten uns Froschgesänge. Die schweren Blätter der üppigen Vegetation streifen unsere Schultern.

Meine mitreisende Freundin warnt mich plötzlich und ich bleibe verunsichert stehen. Liegt vor mir etwa eine riesige Schlange? Im Gegenteil – es hat sich nur ein großer Nachtfalter auf meine leuchtend rote Regenjacke gesetzt und sie wollte ihn fotografieren. Kein Grund mich so zu erschrecken!

Tiere sind ein ständiger Begleiter

Die nächsten Tage verbringen wir mit einer kleinen Gruppe bunt zusammengewürfelter Reisender. Wohin die Ausflüge gehen, wird je nach Wetter und Gruppengröße vor Ort spontan entschieden. Oftmals gehört ein Besuch einer indigenen Gemeinschaft dazu. Mit gemischten Gefühlen sitze ich auf der Bank und lausche den Erklärungen der Frauen, die aus Samen schönen Schmuck herstellen. Eine Tanzvorführung rundet das Ganze ab. Ich sehe in den Augen der anderen, dass sie hoffen, dass wir nicht auch zum Tanzen aufgefordert werden. Wir sind wohl doch ein wenig verklemmt. Ecuadorianer tanzen für ihr Leben gern. Egal wo in dem Land, Sie werden immer jemanden antreffen, der ein Lied mitsingt und jedes Mädchen zum Tanzen auffordert, das verloren am Rande steht. Wieso also eigentlich nicht mittanzen? Die Ecuadorianer können es zumindest meistens besser als die Deutschen, die ich kennen gelernt habe. Ich gebe zu, es hat auch bei mir ein wenig gedauert. Aber bevor ich dem gebrochenen Englisch des Zwölfjährigen vor mir weiter lausche und mir Erklärungen einfallen lasse, wieso ich nicht tanzen möchte, schwinge ich mich lieber mit ihm auf die Tanzfläche. Diese besteht übrigens aus Sand. Wir sind nämlich auf der kleinen Sandbank, die der Fluss hier zum Glück noch nicht verschlungen hat. Ein paar Lampen werden angezündet und aus einer Stereoanlage ertönt Musik. Zum Funkeln der Sterne tanze ich also das erste Mal in meinem Leben zu Quichua Musik und es fühlt sich doch tatsächlich fantastisch an.

Es ist leichter die Zielscheibe zu treffen als es zuerst aussieht

Wir sind natürlich nicht nur zum Tanzen hier. Uns wird beigebracht, wie wir mit einem Blasrohr und Pfeil jagen gehen könnten. Danach steht es uns offen, ob wir in Gummiringen den Fluss hinab treiben möchten, oder wieder ins Kanu steigen. Wir besuchen auch die Auffangstation ‚Amazoonico‘. Hier werden Tiere, die illegal gehalten wurden, wieder aufgepäppelt und im besten Falle ausgewildert. Es ist die beste Gelegenheit auch größere Dschungelbewohner hier am Rand des Dschungels zu sehen. Natürlich ist es weniger authentisch. Mir kam es aber auch nicht wie ein Zoobesuch in Deutschland vor. Ich bin froh, dass diese Tiere hier eine zweite Chance bekommen. Der Tourist in mir versucht das Äffchen auf dem Baum über uns abzulichten. Keine Chance. Mein Zoom lässt zu wünschen übrig und ich bin einfach zu langsam. Also auf geht’s und weitersuchen.

Sich flussabwärts treiben lassen ist fast so schön wie Rafting

Wirklich spannend fand ich auch die zusätzlich angebotene Nachtwanderung. Unser Guide hat zufällig eine wirklich große, hässliche und sehr haarige Spinne an unserem Treffpunkt gefunden. Er erklärt, dass er das Gift abgemolken hat und dass einer von uns die Spinne auch gerne halten könnte. Meine Freundinnen weichen sofort einen Schritt zurück. Im Nachhinein frage ich mich, wo dieses Vertrauen in meinen Guide herkam. Vielleicht war die Spinne ja nach wie vor giftig! Und selbst wenn nicht, war sie immer noch riesig. Aber wer weiß, wann ich wiederkomme. Also beschließe ich mutig zu sein und lasse mir die Spinne auf meinen Arm setzen. Die rote Regenjacke bietet schließlich auch noch einen guten Schutz. Die Spinne kriecht gemächlich meinen Arm hinauf und ich denke nur: atmen, lächeln und schnell den Guide bitten das Ding doch wieder runter zu nehmen. Ganz geheuer sind mir Spinnen dann doch nicht.

Nachts schleichen wir uns an die Dschungelbewohner an

Auch wenn wir auf der Nachtwanderung keine große Strecke zurücklegen, fühlt es sich an wie eine Ewigkeit. Wir schleichen, jeder mit einer Taschenlampe bewaffnet, durch das grüne Dickicht und finden noch mehr Spinnen, Frösche und einen Kaiman. Den habe ich erst gesehen, als er wie aus der Pistole geschossen aus dem Wasser gesprungen kam. Ich glaube, er war nicht so begeistert von unserer Anwesenheit und hat sich mindestens genauso erschrocken wie wir.

Dschungel bei Lago Agrio

Nachdem mir der Aufenthalt in Tena Lust auf mehr gemacht hat, geht es nun tiefer in den Dschungel – ins Cuyabeno Reservat. Ich habe Glück: Die einzige Airline (tame), die Lago Agrio anfliegt, ist pünktlich und hat meine Flüge nicht verschoben. Leider ist das nicht immer so. Da der Tourismus im Gegensatz zu den Ölfirmen nicht so viel Geld einspielt, ist es eine traurige Wahrheit, dass die Reichen bestimmen, wann die Flugzeuge starten. Natürlich nützt es einem nichts, wenn man am späten Nachmittag ankommt – der Weg zur Lodge ist noch viel zu weit und um eine Übernachtung in Lago Agrio kommt man nicht drum herum. Diese Stadt bietet allerdings nicht wirklich etwas, deshalb fahren einige Reisende auch mit einem Shuttlebus über Nacht. Das ist zwar viel unbequemer als zu fliegen, aber tatsächlich verlässlicher und schont den Geldbeutel.

Tame Flugzeug steht auf dem Flugahfen im Dschungel

Mit dem Flugzeug geht es tief in den ecuadorianischen Dschungel

In Lago Agrio wartet ein Fahrer der Lodge geduldig darauf alle Reisenden zum Bootsanleger zu bringen. Die Fahrt vom Flughafen dauert circa eine Stunde. Dort angekommen stürzen wir uns alle hungrig auf die vorbereitete Mahlzeit. Ich kenne ‚box lunch‘ immer nur als braune Papiertüte mit einem Sandwich und Trinkpäckchen drin, aber hier lässt sich die Lodge nicht lumpen. Es gibt richtiges Gemüse, ein Stück Fleisch und Pommes. Es ist zwar alles kalt, aber ich bin froh über die richtige Mahlzeit. An den Aufenthaltsraum angeschlossen ist auch ein kleiner Tresen, wo schnell noch Mückenspray gekauft werden kann. Unser Gepäck wurde währenddessen schon auf die Kanus geladen und los geht’s.

Mit dem Kanu sind wir auch noch circa zwei weitere Stunden unterwegs, aber ab hier macht die Anreise wirklich Spaß. Unser Guide hat Adleraugen und macht uns immer wieder auf Tiere aufmerksam. Wir sehen Vögel, Affen und die ein oder andere Schlange, die sich auf den niedrig hängenden Ästen knapp oberhalb der Wassergrenze räkelt.

Auch hier übernachten wir in kleinen Holzhütten, die entweder Mückennetze über den Betten oder eingelassene Insektenschutzgitter in den Holzwänden haben. Beim Zähneputzen gucke ich direkt in den grünen Wald, hier gibt es gar kein Fenster und auch kein Mückennetz. Also am besten nur schnell unter die Dusche. Das Wasser läuft mir lauwarm den Rücken runter und sobald ich höre, dass meine Zimmernachbarn ebenfalls duschen wollen, stelle ich das Wasser ab, bevor es zu einem Rinnsal wird.

Die Dschungellodges sind einfach, aber gemütlich

Hätte ich gewusst, dass wir gleich mitten im Dschungel ins Wasser springen, wäre ich gar nicht erst duschen gegangen. Hier gibt es nämlich die Laguna Grande. Zur Trockenzeit kann es sogar vorkommen, dass diese kein Wasser mehr führt. Momentan finde ich das unvorstellbar. An einigen Stellen ragen Baumkronen heraus und ich sehe weit und breit nichts als Wasser. Hier sollen wir jetzt also einfach so vom Kanu hüpfen. Die Idee ist schon verlockend, aber ein Restzweifel bleibt. Das Bild der Schlange auf dem Ast habe ich noch gut im Kopf. Aber hier ist es anscheinend so tief, dass wirklich keine Tiere ankommen und an uns knabbern werden. Naja, wenn ich dem Guide bei der Spinne vertraut habe, kann ich das auch hier. Platsch – ich bin drin. Und es ist herrlich!

Die Sonne färbt den Himmel rosa und die Zurückgebliebenen auf dem Boot machen ein paar Bilder. So eins mit dem Sonnenuntergang hätte ich tatsächlich auch gern. Also wieder rauf aufs Boot und abtrocknen. Nun macht sich bemerkbar, dass ich nie ins Fitnessstudio gehe und ich keine Klimmzüge mehr gemacht habe seit ich 12 Jahre alt war. Und so ein Kanu von außen ist ziemlich glitschig. Nicht elegant und mit ein wenig Hilfe klettere ich an Bord und schnappe mir mein Handtuch und die Kamera. Das Einzige was mich tröstet ist, dass die anderen sich ebenfalls abmühen müssen.

Sonnenuntergang bei der Laguna Grande

Die Tage im Cuyabeno Reservat vergehen wie im Flug. Meine kleine Gruppe ist klasse, wir verstehen uns alle super. Da es schon ab 5 Uhr anfängt hell zu werden, trifft man den ein oder anderen auch schon vor dem Frühstück am Bootsanleger und kann sich austauschen.

Wir gehen jeden Tag auf Tiersuche und bestaunen diverse Tierarten, hauptsächlich Affen und Vögel. Mein persönliches Highlight sind die rosa Flussdelfine, die hier vorkommen, aber meistens nur sehr kurz aus dem Wasser auftauchen. Ich bin froh, dass wir so einen kompetenten Guide an unserer Seite haben. Wir Reisenden sind allesamt Nieten was das Aufspüren von Tieren angeht. Man könnte meinen, ich habe in Tena gar nichts gelernt. Immerhin stellen wir uns beim Besuch der indigenen Gemeinschaft ganz gut an. Wir bereiten nämlich unter fachmännischer Anleitung eine Tortilla aus der Yucca Wurzel vor. Mmh, schmeckt das gut!

Bei der Zubereitung der Yucca Tortilla

Generell finde ich das Essen im Dschungel köstlich. Es gibt immer frische Früchte und Saft und selbst die Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Viele der Angestellten kommen aus den umliegenden Gemeinschaften und übernehmen verschiedene Aufgaben. Während ich dort bin, wird gerade an einer Erweiterung des Restaurants gebaut.

Viele verschiedene Vogelarten verstecken sich in den Baumkronen

Einige mutige Helfer baden abends im Fluss. Hier gibt es doch aber Krokodile, oder? Ich dachte, nur das Schwimmen in der Laguna Grande sei sicher. Ich bleibe diesmal lieber auf den sicheren Holzplanken sitzen und beobachte das Spektakel. Je dunkler es wird, desto mehr Glühwürmchen erhellen die Nacht. Mit dem Grillenzirpen im Ohr denke ich, was für ein fantastischer Ort das eigentlich ist und wie froh ich bin ihn kennen lernen zu dürfen.

Wenn Sie auch unvergessliche Dschungelmomente erleben möchten, schauen Sie sich unsere Reisebausteine an.


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