Portugal – Mittelaltermagie in Obidos

von Mehr Annette Warncke Reisespezialistin

10 Juni 2020

Im letzten Oktober war unsere Reisespezialistin Annette unterwegs in Portugal und erkundete unter anderem die mittelalterliche Stadt Obidos. Was sie vor Ort erlebte und welche Geheimtipps sie Ihnen mit auf den Weg geben kann, lesen Sie im nachfolgenden Reisebericht.

Eine Portugalreise komplett ohne Städte konnten selbst wir uns als Naturliebhaber nicht vorstellen. Trotzdem wollten wir nicht die typische Route abarbeiten und es uns im Herbst noch einmal an der Algarve gut gehen lassen, sondern den faszinierenden Norden und das weniger touristische Landesinnere entdecken. Dabei haben wir eine Nacht in der mittelalterlichen Stadt Obidos verbracht.

In Obidos finden viele große wechselnde Veranstaltungen statt. Entlang der sehr gut erhaltenen Stadtmauer wurden schon die ersten Weihnachtslichterketten platziert. Von dem aufwendigen Schmuck hatten uns sogar schon Einheimische aus Alvados berichtet. Wir waren allerdings eher gespannt, ob auch wir die Mauer erklimmen können, denn den Blick von dort oben wollten wir auch genießen!

Zuerst hieß es aber einen Parkplatz für das Auto finden, das wir bei Sicht der schmalen, Kopfsteinpflaster-Gassen nicht gern mit in die Stadt nehmen wollten. Es gibt zwar durchaus Einheimische und sicherlich auch den ein oder anderen Gast, der sich bis zu seinem Hotel dort durchschlängelt, aber ich kann Ihnen nur wärmstens empfehlen, das Auto außerhalb der Stadtmauern zu parken und dann am besten mit einem Rucksack zum Hotel zu laufen.

obidos-gasse

 

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Dass wir sehr spät aus Alvados weggefahren sind, entpuppte sich als glücklicher Zufall. Wir hatten hier nur eine Nacht geplant und waren besorgt nun gar nichts mehr zu erleben. Ganz im Gegenteil waren wir nach Ankunft aber froh, dass die Massen an Asiaten sich allmählich aus der Stadt zurückzogen und wir die vielen Gelb- und Blautöne der alten Häuserfassaden, die altertümlichen Lampenhalter und blühenden Gärten bald für uns hatten. Ein besonders schönes abendliches Panorama ergibt sich vor dem Hotel „Pousada Castelo Óbidos“.

portugal-sonnenuntergang

 

Unterwegs auf der Stadtmauer Obidos‘

Wir haben uns passend zum Sonnenuntergang zur Stadtmauer begeben. Große Stücke davon sind begehbar, aber es ist nichts für schwache Nerven. Die alte Stadtmauer ist recht schmal, aber der Blick von Obidos in die Ferne ist ist es wert, dort hinaufzugehen. Ein Geländer gibt es nicht, also habe ich mich mit meiner Höhenangst Zinne für Zinne langsam vorgekämpft.

Obidos-Stadtmauer

 

Richtig spannend wurde es mit Gegenverkehr – links von mir die Zinnen, die ich um keinen Preis loslassen wollte, rechts nur der Abgrund. Sie können sich sicherlich vorstellen, wem ich den Vortritt am Abgrund gelassen habe. Aber nicht nur der weite Blick, sondern auch die angeleuchtete Burg entschädigen einen für alles. Kaum zu glauben, dass die Laguna de Obidos mal bis hierher gereicht haben soll. Wir konnten Sie selbst von der Mauer noch nicht sehen.

Obidos-Burg

 

Wir haben die Stadtmauer direkt an der Burg verlassen und wurden von einer probenden Band überrascht. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs fand in Obidos gerade das Folio Fest statt. Große goldene „Fs“ dekorierten die dicht an dicht gebauten Häuser, Pavillons für Lesungen waren errichtet worden und selbst die Kirche erinnerte an einen großen Buchladen. Gesungen wurde aber nicht nur von Büchern, jedenfalls glauben wir das. Wir haben ganz hinten auf einer hölzernen Tribüne tatsächlich noch einen Platz bekommen. Anstelle von Asiaten drängten sich nun Portugiesen am Zelteingang, kurz vor Konzertbeginn war jeder Platz belegt und die Zuschauermenge draußen wurde noch immer größer. Cruz na Diabo scheint eine große Fangemeinde zu haben und auch wir lassen uns mitreißen. Es ist schon das zweite Konzert, auf das wir einfach so stoßen und auch dieses Mal sind wir nicht enttäuscht. Die Stimmung ist grandios, die Musik besonders und unser Abend in Obidos das perfekte Ende zu einem erlebnisreichen Tag.

Portugal-Folio-Fest

 

Durch die Gassen Obidos

Da auch wir Obidos nicht verlassen wollten, bevor wir nicht einmal über die Haupteinkaufsstraße geschlendert waren, stürzten wir uns am nächsten Morgen in den Strudel der Touristen. Wir mieden die Menschenmassen so gut es ging und schlängelten und durch die kleinen Seitengassen. So entdeckten wir einige talentierte Fliesenkünstler, Töpfer und Maler und kehrten erst in die Haupteinkaufsstraße zurück, um den berühmten Kirschlikör Ginja bzw. Ginjinha zu kosten.

Wir probieren den Likör in einer Chocolaterie, denn wenn man ihn überall für 1 € bekommt, dann sollte man vielleicht darauf achten, dass auch der Schokobecher in dem er serviert wird, besonders gut schmeckt. Wir werden nicht enttäuscht, der Schokobecher ist wirklich gut, aber Kirschlikör bleibt nun mal Kirschlikör. Es gehört irgendwie zu Obidos dazu, aber als Mitbringsel taugt er für unsere Freunde nichts. Dann doch lieber leckeren Portwein!

Obidos-Innenstadt

Zurück in Richtung Natur

Da uns die Natur schon nach einer Nacht fehlte und wir neugierig geworden waren, wo sich die Lagune versteckt, beschlossen wir noch einen Abstecher dorthin zu machen, bevor es weiter nach Sintra ging. Ich fühlte mich fast wie an die Nordsee versetzt, so stürmisch und regnerisch war es. Wir betrachteten die Lagune und das Meer also aus sicherer und trockener Entfernung in der einzigen Strandkneipe, die noch geöffnet war, und beschlossen das nächste Mal dann doch im Sommer zu kommen, um ein bisschen am Strand zu entspannen und schwimmen zu gehen.

Portugal-Strand

 

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Die Stadt Obidos lohnt sich jedoch zu jeder Jahreszeit – vor allen Dingen in der Nebensaison und auch außerhalb von Festen, dann ist die Innenstadt sicherlich weniger überlaufen. Sie haben das weiß-gelb-blaue Häusermeer für sich, können innehalten, an duftenden Hibiskusblüten schnuppern und in Ruhe von der Stadtmauer auf die Burg hinunterblicken. Auch wenn mit der Abendstimmung endlich Stille in die Stadt eingekehrt, gibt es dennoch Leben in den Restaurants und Bars, sodass Sie den Abend bei einem weiteren Kirschlikör oder auch einem der zahlreichen leckeren portugiesischen Weine ausklingen lassen können. Die Gassen sind alle hell erleuchtet, sodass Sie auch nach einem Schlückchen Wein zu viel den Weg sicher zu Ihrem Hotel zurückfinden werden.

 

Portugal-Dorf

 

Obidos hat uns aufgrund seines Mittelalter-Charmes schnell begeistert und gefiel uns mit der gemütlichen Stimmung am Abend noch viel besser als Sintra. Hier gibt es zwar keine Märchenschlösser, dafür aber dennoch viel Magie. Wenn Sie sich auch gerne bezaubern lassen wollen, finden Sie hier mehr Informationen über unseren Baustein in Obidos.


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