Daumen hoch für Portugal in der Nebensaison

von Mehr Britta Henning Produktlerin, Reisespezialistin

18 September 2019

In den Schulferien verreisen hat so seine Tücken. Die typischen Reiseziele am Mittelmeer oder Atlantik sind mir im Sommer einfach zu heiß und ich mag es, die langen Tage Zuhause im Garten oder am See mit Freunden zu verbummeln. Somit kann ich mich mit der beliebtesten Reisezeit für Portugal und die Mittelmeerländer im Juli und August nicht so recht anfreunden. So stellte ich mir eine Reise in den sonnigen Süden in den Herbstferien als ideale Lösung vor.

 

Bisherige Reise-Erfahrungen in der Nebensaison

Das Meer ist meist noch herrlich warm und die Temperaturen mit 24/25°C eignen sich perfekt zum Faulenzen oder aktiv werden. Wenn ein Land außerdem noch  tolle Städte und kulturelle Vielfalt zu bieten hat, passt die Reisezeit noch besser. Es macht bei milden aber nicht zu heißen Temperaturen viel mehr Spaß, auf Streifzug zu gehen.

Ein paar Versuche, in der Nebensaison zu reisen, habe ich schon unternommen. Die Reisen nach Thessaloniki in Griechenland oder nach Sardinien im Oktober waren ein durchwachsenes Erlebnis. Der Plan vom Wetter ging auf und speziell das Mittelmeer war bei diesen Reisen noch schön warm. Die Menschen vor Ort wunderten sich aber eher über ihre verspäteten Gäste und einmal passierte es uns sogar, dass bei der Abreise ein Schild an der Tür angebracht wurde „Geschlossen bis nächsten Sommer“ oder so etwas ähnlich stand da drauf. „Das ist also der Unterschied zwischen einsam und verlassen“, fiel mir spontan ein, als ich am wunderschönen weißen Sandstrand ankam. Ein einsamer Strand lässt das Herz höher schlagen, nicht aber mit Brettern verrammelte Strandbuden, geschlossene Cafés und Lebensmittelgeschäfte, wo nur noch ein paar Konserven im Regal liegen… So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Da fehlte ja wirklich nur der Dornbusch, der in alten Westernfilmen durch die leergefegten Straßen rollt.

Das neue Ziel: Portugal

Dieses Jahr habe ich dann ein neues Ziel ausprobiert und bin mit meinem Sohn in den Herbstferien nach Portugal geflogen, und so viel kann ich verraten, mein Plan vom verlängerten Sommer ging zu 100% in Erfüllung. Unsere Reise an die Algarve in Portugal in der Nachsaison zeigte sich als perfekte Mischung. Das Wetter war mild und der Atlantik hatte auch im Oktober noch eine angenehme Badetemperatur. Am Strand war gemütliches Treiben und auch alle Strandbars und Restaurants geöffnet.

portugal-strand-sand-meer-urlaub
Die Menschen waren sehr entspannt und hatten immer Zeit für ein kurzes Schwätzchen. Ein Koch in einem unserer Lieblingsrestaurants hat versucht und sämtliche portugiesische Fischnamen beizubringen und uns noch Tage später immer wieder „abgefragt“.

Wir haben unsere Reise in Tavira an der Sandalgarve begonnen. Besonders schön war die Bootstour zu den vorgelagerten Inseln vor Tavira. Hier scheint wirklich die Zeit still zu stehen. Auf der Insel Culatra sind Gäste herzlich willkommen, das ganze Jahr über – sie sollen die Insel nur abends wieder ihren Bewohnern überlassen. Die Inselbewohner sind fast alles Muschelfarmer und Fischer und sie haben sich gegen Hotels und Pensionen entschieden, die den Alltag auf der Insel aus dem Rhythmus bringen würden.

Portugal-Bootstour-Meer-Boot

Die Inseln sind bewohnt, aber autofrei. Die einfachen Häuschen sind liebevoll und aufwändig dekoriert, meist stehen unzählige Blumentöpfe vor der Tür und die Wege zwischen den Häusern bestehen aus sandigen Pfaden mit ein paar Steinplatten.
Im Restaurant wurden wir eingeladen, in die Töpfe der Köchin zu gucken und auszusuchen, was wir mögen. Wir haben den frischen Fisch im Sonnenschein genossen und wären gerne noch länger geblieben. Das wäre auch möglich gewesen. Für 25,-Euro kann man ein Wassertaxi zurück nach Olhao nehmen und den einsamen Strand noch voll auskosten, wenn die letzte Fähre ihre Gäste mitgenommen hat.
Wir haben das nicht gemacht, weil wir auf unserer Bootstour zwei weitere dieser einsamen Inseln besucht haben – und weil mein Sohn Aaron auf den Fahrten immer mal wieder das Steuer übernehmen durfte. Wo hat man die Gelegenheit schon?

Portugal-Sommer-Meer-Bootstour

Von der Sandalgarve aus, sind wir dann nach Lagos zu den bekannteren Orten an der Felsalgarve gefahren. Unser Kapitän hatte uns noch mit einem tollen Tipp versorgt und so besuchten wir unterwegs den Wasserfall „Pego do Inferno“. Den Sprung von den Klippen konnte ich Aaron zum Glück ausreden. Die halbherzig beschilderte Wanderung war mir abenteuerlich genug und das Bad in dem klaren grünen See am Fuße des Wasserfalls kostete auch ohne den wilden Sprung etwas Überwindung.
Portugal-Felsen-Algarve

portugal-see-mit-wasserfall

Weiter ging unsere Reise nach Lagos. Ein paar Bauruinen vermutlich fehlgeplanter Hotelprojekte ließen mich schon Schlimmes befürchten. Hat die Algarve im Oktober vielleicht doch auch ein „Geschlossen“-Schild aushängen? Zum Glück nicht, beziehungsweise zeigte sicher der Ort sehr lebhaft mit einer langen Promenade voller Straßenstände, wo Souvenirs und Handwerkskunst angeboten werden. Außerdem finden sich zahlreiche Bars und Restaurants rund um den hübschen und modernen Hafen.

In der Altstadt mit ihren steilen Hügeln und engen Gassen aus Kopfsteinpflaster kann man sich herrlich verlaufen. Wir haben uns kleine bunte E-Scooter geliehen und hatten viel Spaß, damit die Küste rund um Lagos zu erkunden.

portugal-e-scooter
Die vorgelagerten Felsen im Meer sind wirklich wunderschön und ganz besonders in der Abendsonne ein Foto wert, wenn sich die schroffen Felszacken gegen den Himmel abzeichnen. Das Frühstück in unserem kleinen Hotel wurde auf der privaten Terrasse serviert und ließ keine Wünsche offen.

Portugal-Urlaub-Frühstück
Langeweile braucht nicht aufkommen, denn sogar Surfkurse kann man zu dieser Reisezeit in Portugal noch belegen und sich warm eingepackt in einen dicken Neoprenanzug in die Wellen stürzen. Lediglich bei der Wassertemperatur im Pool waren wir uns nicht einig. Während ich mir sicher bin, eine Eisscholle gesehen zu haben, sprangen die Kinder fröhlich kreischend ins Becken.

Portugal-Pool-Entspannung

Ein toller Nebeneffekt dieser Reisezeit für Portugal ist das niedrigere Preisniveau. Das fängt bei Flugpreisen, Mietwagen und Unterkünften an, geht aber noch weiter. Unsere kleinen Elektroroller bekamen wir fast zum halben Preis und beim Feilschen auf dem Markt fühlten wir uns zumindest sehr erfolgreich.

Die meisten Vorteile dieser Reisezeit in Portugal gelten auch für die Nebensaison im Frühjahr. Dazu ist die Landschaft üppig grün und voll blühender Blumen. Dann muss man allerdings in Kauf nehmen, dass der Atlantik noch sehr kühl ist, im Mai liegt die Wassertemperatur eher bei 18 Grad, im Oktober bei 20 Grad. Mein Plan ist es, in dieser Reisezeit noch einmal nach Portugal zu reisen, um im Nationalpark im Norden Ausschau nach wilden Ponys zu halten oder den berühmten Küstenwanderweg am Atlantik entlang zu laufen.

Zu den Portugal Rundreisen »

Reisebausteine in Portugal »


Schlagwörter:

Bislang kein Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bei Erlebe Fernreisen seit:

Mein Reisetipp