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Zu Gast bei den Nilpferden von St. Lucia Wetlands

von Mehr Julia Hens Reisespezialistin

21 September 2018

Südafrika – ein Land voller Kontraste und unterschiedlichster Kulturen. Wer denkt nicht zuerst an den weltberühmten, weitläufigen Krüger Nationalpark im Norden des Landes oder an das lebhafte Kapstadt mit dem imposanten Tafelberg? Zweifelsohne sind beides „Must sees“ einer jeden Südafrikareise. Doch oftmals sind es gerade die kleineren Ortschaften und Regionen abseits der Haupttouristenpfade, die eine Reise zu etwas Besonderem werden lassen. So auch die St. Lucia Wetlands.

Auf verschiedensten Safaris in unterschiedlichen Ländern Afrikas hatte ich bereits die Möglichkeit ganz nah an die gefährlichen Big 5 – Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe – zu kommen. Ein unbeschreibliches Gefühl und Momente, die ich sicherlich nie vergessen werde. Dennoch fehlte noch eine Spezies in meiner Sammlung afrikanischer Tiere – das Nilpferd. Mehr als ein Schnappschuss aus der Entfernung oder als dicker, dunkler Hügel im Wasser war bisher nicht drin. Das sollte sich auf meiner letzten Südafrikareise ändern!

Nilpferde Südafrika St. Lucia

Nilpferde hatte ich bis zu dieser Reise noch nie aus der Nähe sehen können

Somit entschied ich mich während meiner Reise im Nordosten des Landes auch für einen dreitägigen Aufenthalt in St. Lucia. Zugegebenermaßen ist St. Lucia kein sonderlich sehenswerter Ort. Es gibt nur eine große Hauptstraße mit Geschäften und ein paar Restaurants. Die unzähligen Gästehäuser haben sich alle in kleineren Straßen rundherum angesiedelt. Die einzige Zufahrt zum Ort stellt eine Brücke dar, die die „Insel“ St. Lucia mit dem Festland verbindet. Doch der Ort bietet eine Besonderheit. Neben den menschlichen Einwohnern sind dort auch über 800 Nilpferde beheimatet, die sich im Gewässer der St. Lucia Wetlands häuslich eingerichtet haben. Genau genommen leben in St. Lucia mehr Nilpferde als Menschen.

St. Lucia Einwohner

Bemerkenswert: In St. Lucia leben mehr Nilpferde als Menschen

Hauptstraße St. Lucia

Nur wenige Straßen führen durch den Ort St. Lucia

Wer allerdings glaubt die Dickhäuter nur im Wasser beobachten zu können, wird eines Besseren belehrt. Bereits auf der Landstraße Richtung St. Lucia sowie im Ort wird mit Hinweisschildern auf die tierischen Einwohner aufmerksam gemacht. Dazu aber gleich mehr…

Hinweisschilder St.Lucia

An den Straßenrändern Richtung St. Lucia wird bereits auf die Nilpferde hingewiesen

Am Tag nach meiner Ankunft in St. Lucia startete ich mit einer geführten Bootsafari auf dem St. Lucia Wetland River. Schon vom Ufer aus konnte ich die „Hügel“ im Wasser liegen sehen und bei absoluter Stille sogar hören. Ich war schon ganz aufgeregt. Endlich Nilpferde aus nächster Nähe betrachten können! Die erste Nilpferdfamilie ließ auch nicht lange auf sich warten. Etwas versteckt unter Gestrüpp konnte ich ganz in Ruhe beobachten, wie sich ein Pärchen annäherte und miteinander spielte.

Während der gut zwei Stunden besuchte ich verschiedene kleine und große Hippo-Familien auf dem Fluss. Auch das ein oder andere Krokodil lag lauernd und gut getarnt am Flussufer. Selbst aus nächster Nähe konnte ich erst beim zweiten Hinsehen ein Reptil erkennen.

Bootsafari St. Lucia Wetland River

Mit diesem Boot ging es auf Bootsafari auf dem St. Lucia Wetland River

Krokodile Flussufer

Die Krokodile waren am Flussufer nur schwer zu erkennen

Nilpferde sind wirklich beeindruckende, aber auch gefährliche Tiere. Wenn man sie nicht sieht, dann riecht man den muffigen, penetranten Geruch bereits aus weiter Entfernung. Den größten Teil des Tages verbringen sie tatsächlich im Wasser und ernähren sich von Schlick und Schlamm. Ab und an kommen dann Touristen mit dem Boot vorbei geschippert. Auf Dauer ein langweiliges Leben… immer nur als Fotomodell im Wasser zu posieren und den neugierigen Blicken ausgesetzt zu sein. Wen wundert es da, dass auch die Flusspferde etwas Abwechslung in ihren Alltag bringen möchten.

Bootsafari Nilpferde St. Lucia Wetlands

Vom Boot aus konnte ich viele Nilpferde im Wasser herumtreiben sehen

Die Inhaberin unseres Gästehauses informierte mich gleich bei Ankunft, dass ich in der Dunkelheit keinesfalls zu Fuß unterwegs sein sollte. Und auch mit dem Mietwagen sollte ich langsam und vorsichtig fahren. Am späten Abend kommen einige der muffigen Dickhäuter an Land und grasen in den Vorgärten der Gästehäuser. „Alles klar“ dachte ich mir, „dann warte ich mal ab, was am Abend passiert“. Natürlich war ich neugierig ob diese Warnung wirklich stimmte. So machte ich mich nach dem Abendessen mit meinem Mietwagen auf die Suche. Wie zu Beginn bereits erwähnt, gibt es in St. Lucia nur wenige Straßen, weshalb ich mit meiner Suche auch schnell fertig war – leider erfolglos. Dennoch wollte ich noch nicht aufgegeben und nahm mir die erneute Suche für den nächsten Abend vor. Dann allerdings zu einem späteren Zeitpunkt.

Neuer Tag, neues Glück lautete die Devise für den nächsten Abend. So startete ich gegen 22:00 Uhr einen neuen Versuch und war damit deutlich später unterwegs als am Vorabend. Nach einer guten halben Stunde war immer noch kein Nilpferd in Sicht und so machte ich mich enttäuscht auf den Weg zurück zum Gästehaus. „Sicherlich alles nur eine Marketingmasche, da sich sonst kaum jemand in das verschlafene Örtchen verirren würde“, war mein Gedanke.

Und plötzlich, mittlerweile völlig unerwartet, erkannte ich einige Meter vor mir im Scheinwerferlicht etwas Rundes und Dickes. Als ich mich langsam mit meinem Wagen näherte, geblendet durch einen anderen Wagen im Gegenverkehr, wollte ich meinen Augen kaum trauen. Da standen sie – insgesamt fünf Nilpferde – einfach so am Wegesrand, wie Kühe auf der Weide.

Nilpferde Straßenrand St. Lucia

Plötzlich tauchten am Straßenrand mehrere Nilpferde auf

Nilpferde St. Lucia Straßenrand

Ein besonderer Moment für mich die Tiere aus so kurzer Distanz zu beobachten

Mein Herz klopfte wie wild und ich war von einer Sekunde auf die andere total nervös. Schließlich steht man nicht tagtäglich neben einem Nilpferd und dann auch noch auf so kurzer Distanz. Die Hippos haben sich von meinem Anblick allerdings überhaupt nicht stören lassen. Sie haben gemütlich weiter gefressen und mich keines Blickes gewürdigt. Trotz der sehr intensiven, übelriechenden Ausdunstungen habe ich es mir nicht nehmen lassen, eine ganze Weile im Auto zu verweilen, diverse Fotos zu schießen und die Tiere einfach nur zu beobachten.

Völlig aufgedreht und zugleich erschöpft fiel ich an diesem Abend ins Bett. Mein Aufenthalt in St. Lucia hatte sich als voller Erfolg erwiesen und endlich konnte ich auch das Nilpferd auf meiner „Must see“ Liste abhaken. Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass ich am Abend auf die Flusspferde treffen würde. Umso glücklicher bin ich nun und werde dieses Erlebnis sicherlich so schnell nicht mehr vergessen.

St. Lucia eignet sich übrigens nicht nur hervorragend zur Beobachtung von Nilpferden. Von dort aus kann man auch wunderbare Ausflüge durch den iSimangaliso Wetlandpark zum Cape Vidal unternehmen oder einen Tagessafari im Hluhluwe Nationalpark machen.

Wenn auch Ihr Interesse an einer Reise nach Südafrika geweckt wurde, schauen Sie sich gerne unsere Reisebausteine und Rundreisen an.


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