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Mit dem Bus durch die Heimat der Panamahüte

von Mehr Annette Warncke Reisespezialistin

26 Juli 2016

Reisespezialistin Annette ist mit dem Bus durch Ecuador gereist und hat uns eindrucksvolle Bilder und Geschichten von ihrer Reise mitgebracht:

 

Mit dem Bus durch Ecuador – allgemeine Informationen

Ich bin bekennende Bahnfahrerin und auch die neuen Fernbusse konnten mich noch nicht so richtig von sich überzeugen. Dafür ist das deutsche Bahnnetz einfach noch zu gut. In Ecuador ist das anders. Züge fahren dort zwar auch, aber die sind eher eine Touristenattraktion als ein Fortbewegungsmittel. In ganz Südamerika verlässt man sich auf Busse.

Wenn man nicht gerade in den abgelegensten Winkel möchte, sind sie das perfekte Verkehrsmittel. Wenn man mit dem Bus fährt, braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass man die unausgesprochenen Verkehrsregeln nicht kennt und deshalb womöglich einen Unfall baut. Zudem reist man sicher, schnell und für wenig Geld. Ich bin meistens mit Flota Imbabura oder Turismo Oriental unterwegs, denn die Busse dieser Unternehmen sind recht komfortabel und pünktlich.

Mit dem Bus durch Ecuador Busunternehmen Turismo Oriental

 

Bustickets kaufen

In den großen Busbahnhöfen findet man Busse, die in alle Himmelsrichtungen des Landes fahren und für die man Tickets vor Ort am Schalter kaufen kann. Manchmal kann man sogar direkt an der Straße zusteigen oder in einem kleinen Dorf auf der Strecke zwischen zwei großen Städten aussteigen.

Hat man vorab kein Ticket gekauft, kann man auch während der Fahrt bei einem Mitarbeiter die Fahrtkosten bezahlen. Ohne passendes Kleingeld ist man hier allerdings meist aufgeschmissen – etwas Wechselgeld kommt zwar meistens zusammen, aber ich versuche immer gleich passend zu bezahlen, damit ich nicht auf mein Rückgeld warten muss. Außerdem liebe ich es, zwischendurch ein leckeres Fruchteis oder eine warme „Humita“ (gekochte Maistasche) von den fliegenden Verkäufern zu erstehen.

 

Während der Fahrt mit dem Bus durch Ecuador

Langweilig wird es auf den Busfahrten in Ecuador ohnehin nie. Oftmals werden auf Langstrecken Liebes-, Action- oder auch mal Horrorfilme gezeigt, die lautstark aufgedreht werden. Die perfekte Gelegenheit, das Spanisch-Vokabular zu erweitern und in die ecuadorianische Kultur einzutauchen!

Ich werde auch oft von den sympathischen Einheimischen, die ebenfalls die Busse nutzen, um von A nach B zu kommen, angesprochen. Wie ich heiße, was ich hier mache und natürlich wie mir das Land gefällt. Mit jeder Busfahrt wird die Antwort länger und enthusiastischer.

Auf meiner Fahrt von Cuenca nach Guamote gibt es einen Passagier, der nebenbei sein Wunderpulver aus natürlichen Zutaten, wie z.B. der gelben Pitahaya verkaufen will. Meine Sitznachbarin lauscht ganz fasziniert und bittet mich am Ende seines Vortrags ihr vorzulesen, was auf der Verpackung steht. Überrascht und stockend fange ich an zu lesen und wir diskutieren ein wenig über das Nahrungsergänzungsmittel. Am Ende kauft sie es nicht.

Als sie aussteigt bekomme ich gleich neue Gesellschaft von Anthony aus Baños. Er arbeitet im Süden des Landes und kann seine Familie nur alle paar Wochen besuchen. Über Facebook hält er Kontakt zu vielen Reisenden, die er über die Jahre kennengelernt hat. Am Ende lädt er mich zum essen zu seiner Familie ein und ist sehr traurig, dass ich ihn nicht besuchen kann, aber Baños liegt diesmal nicht auf meiner Reiseroute. Dafür schenkt er mir eine CD mit kirchlichen Videos. Ich revanchiere mich mit einer kostbaren Packung Giotto, die ich aus Europa mitgebracht hatte.

Selfie im Bus durch Ecuador mit Einheimischem

Unser Selfie während der Busfahrt

 

Unterwegs halten wir noch einmal für eine halbstündige Mittagspause an. Ich wünschte, das hätte mir vorher jemand erzählt, denn so komme ich eine halbe Stunde zu spät in Guamote an. Nun ja, die Ecuadorianer wird’s wahrscheinlich nicht so sehr stören wie uns Deutsche. So kann ich mir wenigstens kurz die Beine vertreten und etwas essen. Die frische Andenluft tut gut und weckt meine Lebensgeister. In den bequemen Sitzen könnte ich zwar wirklich gut schlafen, die vielen interessanten Unterhaltungen und die tolle Aussicht auf die verschiedenen Bergspitzen und Andentäler halten mich aber doch davon ab.

Sitzreihen in einem Fernbus in Ecuador

Sitzreihen der Fernbusse

 

Nach der Ankunft in Guamote geht’s ins Taxi

In Guamote angekommen nehme ich mir ein Taxi – und fahre mit meinem Rucksack hinten auf der Ladefläche mit. Busse sehe ich in diesem kleinen Dorf nicht und bevor ich mich verlaufe und mein Gepäck umsonst weiter schleppe, lasse ich mich lieber fahren. Obwohl ich vorher nicht einmal den Preis verhandelt habe, werden mir nur 1,50 US Dollar berechnet. Ich frage später im Hostel nach – und das ist tatsächlich der übliche Preis. Wie schön, dass nicht jedes Vorurteil wahr ist und ich nicht über den Tisch gezogen worden bin!

 

Nächstes Ziel mit dem Bus durch Ecuador: Cuenca und die Panamhüte

Je näher wir den Anden kommen, desto mehr Kleidungsstücke ziehe ich mir wieder über, während die Hitze so langsam den Nebelschwaden über dem Cajas Nationalpark weicht. Ein wenig später liegt sie uns zu Füßen– meine Lieblingsstadt, die bildschöne Santa Ana de los Ríos de Cuenca:

Mit dem Bus durch Ecuador Zwischenstopp Cuenca Blick von oben

Ausblick über Cuenca

 

Die prächtige Kolonialstadt im Herzen der Anden ist auch Heimat der Panamahüte, obwohl der Name etwas anderes vermuten lässt. Nur weil der Panamakanal eine so große Rolle beim Export dieser Hüte gespielt hat, kam es zu dieser Verwechslung. Im Ort der Panamahutschöpfung lasse ich mich von den Hüten des berühmten Homero Ortega verzaubern und komme nicht umhin auch welche zu erstehen.

In der Panamahutfabrik mit einem Hut in der Hand

In der Panamahut-Fabrik

 

Ich shoppe ja nun wirklich nicht gerne, aber dieser Hut wird ein ganz besonderes Andenken für mich werden. Nur dumm, dass ich mir einen harten Kampf mit dem Wind liefern muss – der findet meinen Hut anscheinend genauso schön wie ich. Aber noch mehr macht uns die hartnäckige Feuchtigkeit im Dschungel zu schaffen. Mit jedem Tag wird er weicher, sodass ich ihn am Ende komplett einrollen kann, weil er so labil geworden ist. Jetzt weiß ich auch, wieso so viele Cuencanos mit den bunten Markttüten auf dem Kopf an Regentagen durch die Stadt laufen – ich wünschte ich hätte meinen Hut so auch vor der Feuchtigkeit retten können. Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig als nach Cuenca zurückzufahren, um ihn neu formen zu lassen.

Presse formt den Panamahut in Cuenca

Eine Presse formt den Panamahut

 

Eigentlich kann ich es kaum erwarten meine charmante Lieblingsstadt wiederzusehen. Wenn ich schon einmal da bin, statte ich auch gleich Eduardo Vega einen Besuch ab. Er ist ein bekannter Keramikkünstler und seine fantastischen Gefäße und Skulpturen gehen bei Regen wenigstens nicht kaputt.

Keramik Vasen von Vega in Cuenca

Keramik von Vega

 

Meine Tipps für entspanntes Busfahren in Ecuador

Wenn ich zurück in Deutschland im Zug sitze, denke ich etwas wehmütig an diese Preise zurück. Busfahren für 1 USD pro Stunde Fahrtzeit, für 25 Cent innerhalb der Stadt und Taxis, bei denen man den Wind in den Haaren spüren kann, gibt es einfach nicht zu Hause. Natürlich haben größere ecuadorianische Städte auch Taxis wie bei uns in Deutschland – inzwischen benutzen die meisten sogar ein Taxameter. Nachfragen oder Preis verhandeln macht aber eigentlich viel mehr Spaß!

Nachtbusse habe ich auch schon einmal ausprobiert, aber so ganz wohl war mir dabei nie. Ein Horrorfilm gepaart mit Nebelschwaden, die am dunklen Fenster vorbeiziehen, während wir immer weiter in den Dschungel vordringen, ist doch ein bisschen zu gruselig für meinen Geschmack. Wechselnde Sitznachbarn mitten in der Nacht muss ich auch nicht haben, also plane ich lieber kurze Etappen, damit ich tagsüber nur einige Stunden unterwegs bin. So entgehen mir auch die spektakulären Aussichten nicht.

Auch die kleinen „busetas“ finde ich klasse – mit bis zu sechs anderen Reisenden wird man im Kleinbus von Stadt zu Stadt gefahren. Auf der Strecke Guayaquil – Cuenca ist das einfach unschlagbar! Einmal aus dem Flughafen in Guayaquil raus, laufe ich zum Buseta-Büro, steige ein und habe das Glück, schon fünf Minuten später loszufahren. Und das nur für 12 US Dollar!

 

Sind Sie auch im Reisefieber? Stöbern Sie gerne durch unsere Bausteine und Rundreisen in Ecuador – Sie finden dort einige fantastische Abenteuer!


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