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Mein Trekking auf dem Lares Trail

von Mehr

23 August 2016

Dienstagabend, 21. Juli 2015

Drei Tage fernab der Zivilisation ohne jegliche Möglichkeit der Telekommunikation – ein seltenes Gut in der heutigen Zeit und genau deshalb habe ich mich für dieses spannende Abenteuer entlang des Lares Trail entschieden.

Bevor es aber so richtig losging, stand gestern Abend erst noch ein gemeinsames Treffen mit meinen wanderlustigen Begleitern – einer dreiköpfigen Familie aus Holland sowie einem jungen belgischen Pärchen – und unserem Guide Elisa auf dem Programm. Sie besprach mit uns, für welche der drei möglichen Wanderrouten des Lares Trails sie sich entschieden hatte und auf welche spannenden Highlights wir uns in den kommenden drei Tagen freuen dürfen. Kurzerhand organisierte uns Elisa für den heutigen Morgen auch noch Schlafsäcke und Wanderstöcke, sofern wir entweder keine dabei hatten oder Interesse daran hatten.

Das Einzige was wir jetzt nur noch schaffen mussten, war den Wecker um 5 Uhr morgens nicht zu „überhören“ und uns schwungvoll aus den Federn zu schmeißen. Ein frischer Kaffee erledigte den Rest, wobei ich mich als einziger „Nicht-Kaffee-Trinker“ stattdessen für den heißen Coca-Tee entschied. Denn Julio vom Empfang war so nett, das Frühstück ausnahmsweise eine halbe Stunde früher aufzudecken und so ging es gut gestärkt in den kleinen Minivan. Wir sammelten noch kurz unseren Koch Eduardo und seine Gehilfen Carlos und Jefry ein und fuhren in 1,5 Stunden zum Marktort Calca.

Markt in Calca

Reges Treiben auf dem Markt in Calca.

Während Eduardo mit den Jungs die Lebensmittel für die kommenden Tage besorgte, nutzte Elisa die Zeit, um uns beispielsweise mehr über einige der über 5.000 verschiedenen Kartoffelsorten Perus zu erzählen. Ich nutze die Gelegenheit, um die gekochten, winzigen Eier der Zahnwachtel zu probieren. Sehr schmackhaft aber mit einem klassischen Gänse-Ei kann einfach nichts mithalten.

Zahnwachtelei in Peru

Das Ei der Zahnwachtel – ein kleiner Leckerbissen.

Anschließend verließen wir den lebhaften Ort und steuerten das verschlafene Dörfchen Lares an. Nach zahlreichen Serpentinenkurven, einer halbstündigen Straßensperrung wegen Bauarbeiten sowie einem kurzen „Pipi-Stop“ erreichten wir dann um 11:30 Uhr die heißen Quellen von Lares.

Quellen von Lares

Ein letztes Entspannen in den heißen Quellen.

Wir lernten Juan kennen, der für die Pferde zuständig ist, die das Equipment und auf Wunsch auch unser persönliches Gepäck in den nächsten Tagen tragen werden. Somit war unser 11-köpfiges Trekking-Team nun vollständig. Ein entspannter Sprung ins warme Becken war natürlich noch drin, bevor wir uns nach dem Mittagessen auf den Weg machten. Wir ließen es langsam angehen, um den Höhenunterschied des heutigen Tages von 3.200 auf 3.800 Meter zu bewältigen; eine Umstellung auch für mich, obwohl ich sehr gerne und häufig in den Alpen unterwegs bin.

Lares Trail

Los geht’s auf dem Lares Trail!

In den letzten vier Stunden passierten wir bei sonnigem Wetter grüne Wiesen, plätschernde Bäche, und sahen den ein oder anderen „Local“ bei der Arbeit. Und immer wieder war Zeit da, um die faszinierenden Weiten des Tals, indem wir unterwegs waren, mit der Kamera festzuhalten. Inzwischen ist es aber wieder kälter geworden. Wir sind froh, dass bei unserer Ankunft in der Siedlung Huaca Wasi, wo wir heute unsere Zelte aufschlagen dürfen, unser Koch Eduardo und seine Crew bereits das warme Abendessen vorbereiten. Sie und die Pferde hatten uns unterwegs in einem Tempo überholt, das ich nur kenne, wenn ich zu spät zur Arbeit losgegangen bin. Wir sind gespannt, was sie uns auf den Tisch zaubern werden. Aber danach werden wir wohl sehr schnell unsere Isomatten und Schlafsäcke aufsuchen, denn es war ein langer Tag und der morgige sollte laut Elisa sehr hart werden.

Lares Trek Zelte

Unsere Zelte vor traumhafter Kulisse.

Mittwochabend, 22. Juli 2015

Unser Guide Elisa hatte Recht behalten, denn in den letzten zehn Stunden sind wir alle an unsere Grenzen gegangen. Das belgische Pärchen hatte sogar auf dem Weg zum 4.500 Meter hoch gelegenen Bergpass in der Mitte des heutigen Tages kurzzeitig überlegt abzubrechen. Doch letztendlich haben es alle wohlbehalten geschafft und konnten sich soeben über das wieder einmal exzellente und ausgiebige Abendessen freuen. Generell ist die Verpflegung wirklich überraschend gut und selbst ich bin immer absolut satt geworden. Wie Eduardo und seine Crew es heute Abend geschafft haben als Nachtisch einen Kuchen nur mit Hilfe eines Gaskochers zu zaubern, ist mir noch immer ein Rätsel.

Auf jeden Fall eine tolle Belohnung, nachdem wir heute Morgen schon Mühe hatten, die vereisten Reisverschlüsse unserer Zelteingänge zu öffnen. Denn die Nacht war sehr kalt und ich war froh einen so mollig warmen Schlafsack dabei zu haben.

Nach dem stärkenden Frühstück und einem warmen Coca-Tee starteten wir dann den in den neuen Tag. Zwar war die Sonne schon aufgegangen, doch die ersten beiden Kilometer legten wir zunächst noch in dicker Jacke und mit Handschuhen zurück. Im Übrigen waren wir nicht die ersten, die so früh wach waren, denn kurze Zeit später kam uns im Morgentau eine „Alpaka-Karawane“ entgegen.

Lares Trail gutes Wetter

Bei bestem Wetter auf dem Lares Trail.

 

Lares Trail Alpakas

Alpakas kreuzen unseren Weg.

Der Morgentau wich im Laufe des Tages aber mehr und mehr der extremen Kraft der Sonne, sodass wir doch sehr schnell die warme Kleidung in unseren Rucksäcken verstauten. Je höher wir kamen, desto seltener trafen wir auf einen der wenigen indigenen Bewohner dieser Region; im Gegensatz zu den vielen Lamas und Alpakas, die die Einsamkeit hier oben doch sichtlich genossen. Bei den vielen atemberaubenden Ausblicken konnte ich dies nur allzu gut nachvollziehen.

Das Highlight des heutigen Tages war aber definitiv die Aussicht auf den See Auroray, mit der wir nach dem Erklimmen des 4.500 Meter hohen Huaca Wasi Pass belohnt wurden. Zuvor hatten wir die letzten immer steiler werdenden Höhenmeter auf teils lockerem Gestein und unfesten Sandwegen bewältigt. Hier oben hätte ich Stunden verbringen können.

Lares Trail Anstieg

Ein letzter Anstieg vor der wohlverdienten Mittagspause.

 

Lares Trail höchster Punkt

Am höchsten Punkt des Lares Trails.

Allerdings hatte ich nach etwa 5-6 Stunden auch großen Hunger. Da kam die Mittagspause am Fuße des Sees gerade recht. Die Jungs wollten uns frischen Fisch fangen, leider vergeblich. Dennoch machten wir uns anschließend gut gelaunt und mit vollem Elan auf den Weg bergabwärts zu unserem heutigen Camp. Im Vergleich zum Morgen kamen die letzten drei Stunden eher einem lockeren Auslaufen gleich, worüber ich aber auch sehr froh war. Elisa hatte uns mitgeteilt, dass die nächste Nacht wieder sehr kalt werden sollte. Je tiefer wir also unser Camp errichten würden, desto angenehmer würde die Nacht werden. Eine Motivation, die bei allen in der Gruppe noch einmal die letzten Kräfte mobilisierte. Wirklich schwer fallen einzuschlafen wird es mir nach diesem unglaublich erlebnisreichen Tag vermutlich nicht. Trotz der Strapazen der letzten Stunden würde ich sagen, dass dies bisher der beste Tag in Peru war. Mal sehen, ob Machu Picchu das noch toppen kann…

Lares Trek Pause

Kurz ausruhen, bevor es weiter geht.

Donnerstagmittag, 23. Juli

Es ist geschafft! Auch die letzten Kilometer bis zum kleinen Ort Yanahura haben wir mit Bravour hinter uns gebracht. Carlos und Jefry hatten uns wieder einmal mit einem heißen Coca-Tee im Zelt überrascht, während wir noch versuchten aus unseren Schlafsäcken zu krabbeln. Allerdings fiel uns das Aufstehen wesentlich leichter, denn wir wussten, dass heute nur die Hälfte der gestrigen 11 Kilometer vor uns lag. Den Muskelkater hatten wir schnell aus unseren Beinen gelaufen. Die Vegetation hat uns noch einmal überrascht. Denn im Gegensatz zu gestern wanderten wir größtenteils durch Wälder hinab ins Tal und überquerten dabei immer wieder den Bach, der uns seit dem Gletschersee Auroray begleitete. Noch einmal überholten uns die vollgepackten Pferde von Juan. Die anderen drei Jungs „sprinteten“ quasi nur so an uns vorbei und wir freuten uns schon auf das letzte abschließende Mittagessen.

Während wir in der Mittagssonne saßen, bedankten wir uns mit Hilfe meines gebrochenen Spanisch beim gesamten Team für die fantastische Tour. Und wie es für uns Europäer typisch ist, blieb zum Abschluss auch noch Zeit für ein gemeinsames Bier!


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