Marokko individuell entdecken

von Mehr Jessica Becker Reisespezialistin

3 Juni 2020

Im vergangenen Jahr war unsere Reisespezialistin Jessica mit dem Mietwagen in Marokko individuell unterwegs und lernte viele spannende Orte und die Kultur des Landes kennen. Warum eine Mietwagenrundreise durch Marokko eine tolle Art zu reisen ist, lesen Sie auf unserem Blog.

Dieses Jahr habe ich beschlossen, zusammen mit einer Freundin Marokko individuell zu entdecken. Nachdem ich bereits von meinen Kollegen und Freunden viele tolle Geschichten über dieses Land gehört habe, war meine Neugier geweckt und auch meine Freundin ließ sich nicht lange bitten und war sofort Feuer und Flamme für unsere Reise.

Im Familien- und Bekanntenkreis ist unser Reiseplan dann aber doch auf Bedenken gestoßen. Zwei Mädels, die dazu noch blond sind, reisen alleine nach Marokko, erst mit dem Zug und dann auch noch mit dem Mietwagen? Da könnte ja sonst was passieren!

Je mehr ich mich mit diesen Vorurteilen im Vorhinein auseinandergesetzt habe, desto mulmiger wurde mir. In meinem Reiseführer habe ich gelesen, dass man mindestens Knie und Schultern bedecken und einen Ring am Ringfinger tragen sollte, um aufdringliche Marokkaner abzuweisen. Denn (da waren sich alle einig) als blonde Frau wird man in Marokko sehr oft angesprochen.

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In Rabat angekommen, ging es für mich zunächst mit dem Flughafentransfer zu unserer Unterkunft, beziehungsweise in die Nähe der Unterkunft. Wir hatten beschlossen, die Unterkünfte direkt in der Altstadt, in der Medina zu nutzen, um mitten im Geschehen zu sein. Und so hatte ich direkt die erste Erfahrung, im Dunklen durch die Medina zu laufen. Ich habe sehr große Augen gemacht: Überall gab es etwas zu gucken. Mein Transferfahrer und der Besitzer der Unterkunft liefen vor mir her, um mich bei der Unterkunft abzuliefern. Dort angekommen habe ich meine Freundin getroffen, die ein paar Tage früher angereist war und bereits einige Orte in Marokko individuell erkundet hat. Nach dem Einchecken und einem Begrüßungstee haben wir uns dann direkt auf den Weg gemacht, um etwas zum Abendessen zu finden. Also ging es zu Fuß los durch die engen Gassen und entlang der Läden, Stände und Händler. Dabei haben wir uns einfach treiben lassen, um dann an einem Restaurant anzuhalten, das uns angesprochen hat. Dieser erste Abend hat meinem Selbstbewusstsein sehr gutgetan. Wir wurden kaum angesprochen, nur von einigen Händlern, die uns ihre Waren zeigen wollten, und die Gassen haben einen sehr sauberen Eindruck gemacht.

Die nächsten Tage haben wir dann noch in Rabat verbracht, leider im strömenden Regen, sodass wir nicht viel von der Stadt erkunden konnten, ohne komplett zu durchnässen. Dies war auch der Fall, als es Zeit wurde, zum Bahnhof aufzubrechen. Da dieser nur etwa einen Kilometer von unserer Unterkunft entfernt war, haben wir beschlossen, trotz des Regens zu laufen, da in der Medina sowieso keine Taxis fahren dürfen.

Am Bahnhof angekommen, war ich positiv beeindruckt. Die Beschilderung war sehr gut, die Fahrkarten wurden kontrolliert, bevor man auf seinen Bahnsteig gelassen wurde, und am Bahnsteig selbst liefen auch Mitarbeiter herum, die dafür gesorgt haben, dass alle Touristen in der Nähe der gebuchten Klassen beziehungsweise Wagons standen. Beim Kauf der Karten kann man zwischen 1. und 2. Klasse wählen und bekommt einen Wagon und einen Sitzplatz zugeteilt. Wir waren während unserer Reise in der 1. Klasse unterwegs, in der es jeweils Abteile für sechs Personen gibt. Auch für die Verpflegung ist gesorgt, da immer wieder Mitarbeiter mit einem Wagen durch die Gänge laufen und Essen und Trinken verkaufen. Da auch viele Marokkaner mit dem Zug reisen, ist dies auf jeden Fall ein gutes Fortbewegungsmittel, um Marokko individuell zu erkunden.

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In Fes angekommen, wurden wir am Bahnhof direkt von vielen Taxifahrern und Guides angesprochen. Dies war im ersten Moment etwas nervig, da man gar keine Gelegenheit hatte, sich erstmal zu orientieren. Wir hatten großes Glück und wurden von einem deutschen Tour Guide angesprochen. Als kleinen Tipp kann ich empfehlen, sich immer den Ausweis zeigen zu lassen, um mögliche Betrüger direkt abzuschrecken. Dieser Mann hat uns im Austausch dafür, dass wir seine Karte angenommen haben, zur Busstation gebracht und dem Busfahrer Bescheid gesagt, wo wir aussteigen müssen. Auf diese Weise konnten wir uns die Taxikosten sparen und hatten die einmalige Gelegenheit, mit einem Bus, in dem sonst nur Einwohner von Fes saßen, mitzufahren. Diese haben dann auch sichergestellt, dass wir an der richtigen Station wieder ausgestiegen und so super schnell und günstig zu unserer Unterkunft gekommen sind. Da ich von Natur aus eher misstrauisch bin, habe ich mir nebenbei ebenfalls die Route auf meiner Navigationsapp angeschaut, um sicherzustellen, dass wir in die richtige Richtung fahren. Vorsicht ist halt immer noch besser als Nachsicht.

Fes entdecken »

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Diesem Kredo sind wir während der gesamten Reise gefolgt. In Fes und Marrakesch sind wir dann auch wesentlich öfter angesprochen worden. Nicht nur von Händlern, die uns ihre Läden und Waren zeigen wollten, sondern auch von Passanten, die unsere Haare oder Augen faszinierend fanden. Auch wenn dies auf Dauer etwas nervig war, muss man den Leuten aber zugutehalten, dass wir niemals angefasst wurden und unser Nein immer akzeptiert wurde. Für die ganz harten Fälle haben wir dann in der Tat Ringe getragen und Heiratsanträge mit einem entschuldigenden Blick auf den Ringfinger freundlich abgelehnt.

Ein weiterer guter Ratschlag, den ich auf meinen Reisen immer befolge, ist, die Besitzer meiner Unterkünfte zu fragen, ob es sicher ist, abends noch auszugehen oder ob es Gegenden gibt, die man vermeiden sollte. Dies war in Fes dann auch tatsächlich der Fall: Unser Gastgeber hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als wir ihm mitgeteilt haben, dass wir uns den Sonnenaufgang gerne von einer der Burgen anschauen wollen und gedenken, dorthin zu laufen. Dieses Unterfangen haben wir sehr schnell wieder aufgegeben, da es einfach zu gefährlich gewesen wäre. Ansonsten konnten wir uns in Fes aber ohne Probleme auch in den Abendstunden bewegen, ohne Probleme zu bekommen.

In Marrakesch hat dann das nächste Abenteuer auf uns gewartet: Die Fahrt mit dem Mietwagen zu den nächsten Stationen. Man sollte sich auf jeden Fall Zeit nehmen, den Mietwagen sorgfältig unter die Lupe zu nehmen und von allem Fotos zu machen. Auch wenn man das Gefühl hat, sich unnötig Zeit zu nehmen, ist dies doch etwas, was einem später viel Ärger ersparen kann. Das Fahren in Marrakesch selbst war dann auch erstmal sehr aufregend, da sehr viele Autos, Kutschen, Rad- und Motorradfahrer sowie Fußgänger unterwegs sind. Auch hier sollte man sich einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen. Schön war, dass man das Auto von innen ganz einfach abschließen konnte und dies auch automatisch funktioniert hat, wenn man erst einmal eine gewisse Geschwindigkeit erreicht hat.

Außerhalb der Ortschaften ist das Fahren dann sehr angenehm. Die Beschilderungen sind verständlich, die Straßen von guter Qualität und die Landschaft abwechslungsreich. Man sollte die Tankanzeige immer im Auge behalten, um rechtzeitig zu tanken, da es durchaus vorkommen kann, dass man über 100 Kilometer fährt, ohne eine Tankstelle zu sehen.

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Einer der Gründe, warum wir mit dem Mietwagen gereist sind, war, um in die Wüste zu kommen. Dieser Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt, da dies eine unglaubliche Erfahrung ist, über die ich einen ganz eigenen Blogartikel verfassen könnte. Was zu unserer tollen Erfahrung beigetragen hat, ist die Tatsache, dass wir die einzigen Touristen bei diesem Ausflug waren. Nur wir zwei Mädels, unser Kamelführer, der Koch, und drei Herren, die das Wüstencamp betreut haben. Als ich davon berichtet habe, kamen direkt Fragen, ob wir uns denn nicht unwohl gefühlt hätten, so ganz alleine. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass dies eine der besten Erfahrungen war, die wir gemacht haben. Die Herren waren unglaublich nett und überhaupt nicht aufdringlich. Bei Fragen hatten wir jederzeit einen Ansprechpartner, haben sogar zusammen Karten gespielt und abends beim Lagerfeuer zusammen musiziert und uns über unsere verschiedenen Erfahrungen ausgetauscht.

Wüstencamp entdecken »

Alles in allem kann ich nur sagen, dass man auch mit zwei blonden Mädels gut Marokko individuell erkunden kann. Wichtig dabei ist, dass man seine gesunde Vorsicht nicht zu Hause vergisst, etwas Rücksicht auf die Kultur nimmt und einfach freundlich und bestimmt Nein sagt, wenn man sich etwas nicht anschauen möchte. Ich hoffe, dass diese Erfahrungen anderen Reisenden dabei helfen, sich für eine Reise nach Marokko zu entschieden, denn es gibt wirklich viel Tolles zu entdecken.

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Sie wollten schon immer Marokko individuell erleben? Unsere erfahrenen Reisespezialisten beraten Sie gerne und erstellen Ihnen einen individuellen Reiseplan.


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