Kubas Strände – Staatliches Hotel oder Casa Particular?

von Mehr Annette Warncke Reisespezialistin

15 Juli 2019

Als meine Freunde darauf bestehen, dass wir sechs Nächte unserer Kubareise am Strand verbringen, bin ich skeptisch. Wir einigen uns auf drei Nächte am Traumstrand von Cayo Levisa am Anfang der Reise und drei Nächte im bekanntesten Touristenort für Badeurlaub: Varadero. Dort wollen wir die Reise entspannt ausklingen lassen.

In meinem Blog berichte ich von unseren Erfahrungen und darüber, welcher Aufenthalt uns besser gefallen hat.

Cayo Levisa im Hotel und Varadero bei Einheimischen erleben

Unser Aufenthalt auf Cayo Levisa

Die letzten 10 km Straße nach Cayo Levisa sind die schlechtesten unserer ganzen Reise – allein deshalb lohnt es sich schon, länger auf der Insel zu bleiben. Wir verpassen knapp die Fähre, was sich hinterher als Glücksfall entpuppt, weil wir ein super leckeres lokales Essen in Pedros Hütte einnehmen.

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Auf Cayo Levisa gibt es nur ein staatliches Hotel, in dem alle Übernachtungsgäste untergebracht werden. Eine Übernachtung in einer Casa Particular ist hier nicht möglich, sodass wir in Varadero die Chance ergreifen – wenn schon Touristenstrand, dann wenigstens so wenig touristisch wie möglich.

Über die staatlichen Hotels haben wir bereits viel gehört: Für die teuren Übernachtungspreise darf man trotzdem keine Qualität erwarten, viel wurde vor zig Jahren gebaut und seitdem nicht erneuert und das Essen schmeckt nicht so gut. Für jemanden wie mich, dem Essen im Urlaub am wichtigsten ist und die als Erste ihr norddeutsches Schwarzbrot vermisst, ein harter Hinweis. Aber es ist nun mal Kuba und auch ich möchte es erleben, also wird das Knäckebrot eingepackt und die Ansprüche soweit es geht heruntergeschraubt.

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Das Hotel auf Cayo Levisa entpuppt sich dann als gar nicht so schlecht wie erwartet. Es wird weiterhin an einigen Stellen gebaut, den Bauschutt ignorieren wir gekonnt. Bretter auf den Stegen werden, wann immer es neue gibt, ausgetauscht oder neu angemalt. Da der Innenraum des Restaurants sehr alt und lieblos aussieht, essen wir bei jeder Gelegenheit draußen. Unser Spanisch wird jeden Tag besser, weil wir nach mehr Gläsern, Tassen oder Sonstigem, das auf dem Buffet ausgegangen ist, fragen. Alle Kellner sind sehr freundlich und bemüht. Hier weiß man: Was immer ihnen möglich ist, wird auch gemacht. So wird eine Glühbirne im Zimmer ausgetauscht, weil wir Bescheid geben, dass sie nicht funktioniert und auch der Frosch hinter der Tür, der beim Putzen übersehen wurde, wird brav entfernt. Das Wasser kommt teils braun aus der Leitung, wird aber klar und warm, wenn man es lange genug laufen lässt. Es gibt sogar Shampoo und Seife, die Betten sind bequem und mit der Klimaanlage und dem Kühlschrank lässt es sich gut aushalten.

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Beim Essen orientieren wir uns meistens an dem, was frisch zubereitet wird. Wir können uns morgens Ei bestellen, mittags und abends gibt es gegrillten Fisch. Vegetarier haben es schwer, aber selbst die verhungern uns hier nicht. Am besten haben wir es am letzten Tag: Aufgrund der hohen Auslastung eröffnet noch die Snack Bar und auch hier wird frisch gegrillt und alle anderen Speisen sehen noch appetitlicher aus.

Der Strand, für den wir das Hotel in Kauf genommen haben, ist wirklich schön. Rechts und links von der Hotelanlage laufen wir auf festem Sand entlang bis uns ins Wasser ragende Mangrovenwälder begegnen. Wir beobachten flinke Einsiedlerkrebse, sammeln ein paar hübsche Muscheln und genießen den Blick über das türkise Wasser. Wenn um 17 Uhr alle Tagesgäste weg sind, herrscht eine himmlische Ruhe, die wir in gemütlichen Hütten mit Matratzen und Kissen genießen. Vor dem Schlafen können wir von hier aus sogar die Milchstraße sehen.

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Nach diesen idyllischen Tagen werden mir zwei Sachen klar: Erstens bin ich total froh, dass wir in keinem Hotel in Varadero sein werden und ich mir aussuchen kann, wo wir essen gehen. Zweitens hoffe ich inständig, dass die vier Tage dort nicht zu lang werden, denn der Strand kann unmöglich schöner sein als auf Cayo Levisa.

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Unser Aufenthalt in Varadero

Bei Varadero denke ich gleich an riesige Hotelanlagen, Liegestuhlwiesen am Strand und nervige Sonnenbrillenverkäufer und bin froh, dass es doch nicht so ist.

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Mit unserem Mietwagen, den wir liebevoll „Hurricane“ getauft haben, kommen wir sicher zu unserer letzten Unterkunft der Reise – unserer Casa Particular in Varadero. Es gibt direkt zwei Häuser nebeneinander, die 1801 als Hausnummer haben. Wir fragen uns durch und werden im richtigen Haus mit einem leckeren Ananassaft begrüßt. Die Familie spricht kaum Englisch, aber wir kommen gut zurecht. Sie zeigen uns eine Karte von Varadero, wie das System mit durchnummerierten Straßen funktioniert und wo unsere Casa liegt. Es gibt fünf Avenidas parallel zum Strand und quer dazu Straßen, an denen Wohnhäuser oder Hotels zu finden sind. Ein letztes Mal erkunden wir mit „Hurricane“ die Landzunge und geben den Mietwagen dann ab. Von unserer Casa sind es nur 300 Meter bis zum Strand – ich glaube kaum, dass der Weg vom Hotelzimmer bis zum Strand viel kürzer gewesen wäre.

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Wir haben auf unserer Reise schon viele Casas kennen gelernt und natürlich ist jede anders. Manche haben sogar fünf Zimmer und es geht professionell zu. Aus einer Mischung von Englisch, Spanisch und Händen und Füßen, können wir mit allen gut genug kommunizieren. Ein Besitzer aus Santa Clara fängt nun sogar einen Deutschkurs an, um sich mit seinen Gästen besser unterhalten zu können.

Zum Frühstück bekommen wir immer frischen Saft, Obst, Ei und Brötchen oder Brot. Teilweise gibt es dazu Pfannkuchen oder Kuchen. Käse, Wurst, Butter und Honig werden gereicht, Marmelade gibt es auch manchmal.

In unserer letzten Casa in Varadero werden wir total verwöhnt. Es gibt nicht, wie sonst fast immer, Papayasaft oder Guavensaft, sondern Mischungen aus Mango und Pfirsich, Ananas und Grapefruit. Statt Pfannkuchen stehen am ersten Tag Schokoladencrossiants und am zweiten Tag Donuts auf dem Tisch. Das Brot kommt getoastet und die Früchte schmecken hier so gut, dass wir brav auch die ungeliebte Papaya aufessen. Schade, dass es unserer Besitzerin nicht so gut geht und sie momentan kein Abendessen anbietet. Hier hätte es uns bestimmt hervorragend geschmeckt.

Generell haben wir bis jetzt in Casas nie schlecht gegessen. Oft brauchen die Besitzer mindestens ein paar Stunden Vorlaufzeit, damit noch die entsprechenden Zutaten aufgetrieben werden können. Meistens gibt es Suppe, eine Hauptspeise mit Fleisch, Nachtisch und alle möglichen Beilagen wie Reis, Gemüseplatten und frittierte Malanga Wurzel.

In unserer Casa in Varadero kommt es uns so vor als hätten wir die größten Zimmer des Hauses bekommen. Die Bäder sind klein, aber es mangelt an nichts. Es gibt Seife, es kommt warmes Wasser aus der Leitung und unter einem der fest montierten Duschköpfe kann sogar unser 1,94 m großer Mitreisender stehen.

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Das Einzige, das wir ändern würden, ist das blau gefärbte Wasser in der Toilette, denn es riecht sehr stark nach Chemie. Darüber sehen wir allerdings hinweg und wenden uns mit einem anderen Wunsch an die Familie. Da in dem Zimmer mit nur einem Doppelbett unser mitreisendes Paar schlafen wird und die beiden in der bereits etwas durchgelegenen Matratze eine noch größere Kuhle fabrizieren würden, fragen wir ob wir die Matratzen später tauschen können. Die Übersetzung, die bei der Besitzerin ankommt, ist leider eher so etwas wie, dass die andere Matratze schlecht ist, wobei wir das definitiv nicht so formuliert haben. Wir machen aus, dass wir die Matratzen abends mit dem Ehemann wechseln.

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Etwas beklommen, dass wir dieser Familie so viele Umstände bereiten, gehen wir erst in die Stadt und kommen später wieder, nur um festzustellen, dass die Matratzen bereits ohne unsere Hilfe getauscht wurden. Wir sind natürlich froh darüber, hoffen aber, dass wir nun das Image der Deutschen im Urlaub nicht verschlechtert haben und sich auch die nächsten Gäste gut damit arrangieren können.

Im kleinen Vorgarten der Casa stehen fünf Schaukelstühle, davon sind drei für die Fliesen vor der Haustür geeignet, die anderen beiden aufgrund ihrer Metallschienen eher nicht. Wir wollen allerdings zu viert Karten spielen und holen uns noch einen der metallenen Stühle heran und legen die Fußmatte darunter. Flink kommt die Besitzerin und gibt uns stattdessen eine Decke zum Unterlegen, damit wir ihr nichts kaputt machen.

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Es ist sicherlich nicht leicht, sein Haus ständig mit Fremden zu teilen. Immer fragen sie die gleichen Fragen, werden beim Frühstück bedient, bekommen das Zimmer jeden Tag geputzt. Wenn die Gäste draußen sitzen, ist gar kein Platz mehr für den Rest der Familie und umgekehrt. Aber es ist eine leichte Variante Geld zu verdienen. Staatliche Monatsgehälter liegen weit unter dem, was wir für zwei Übernachtungen zu viert bezahlen. Wir treffen einige, die eigentlich Lehrer sind, aber jetzt eine Casa Particular haben, mit der sie hauptsächlich Geld verdienen.

Kubas Strände – Geheimtipp: Übernachtung in einer Casa Particular in Varadero

Jede Casa Übernachtung wird durch die Offenheit und Herzlichkeit seiner Besitzer ein ganz wichtiger Aspekt unserer Reise. Sei es, dass er uns in seinem Haus die Bilder der Verwandtschaft anschauen lässt, uns um 22 Uhr noch bekocht, weil wir erst so spät vom Arzt zurückkehren oder uns in einer Bar oder am Strand begrüßt. Es ist schön, auf diese Art und Weise dazu zu gehören und nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen Kubas kennen zu lernen.

Egal wo, unsere Casas sind immer komfortabel, gut gelegen, bieten das bessere Essen und bestechen gegenüber den Hotels natürlich auch mit ihren herzlichen Bewohnern.

Nach siebzehn Tagen auf Kuba finde ich es schade, dass es dieses aus der Not geborene Konzept nicht auch in anderen Ländern gibt. Mir gefällt diese Art zu reisen sehr. Kuba würde ich nie wieder anders erleben wollen.

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