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Indien in vollen Zügen genießen

von Mehr Andreas Kogler Management

17 Juni 2016

Unser Kollege Andreas, der sich im erlebe-Management für das Thema „Innovationen und Projekte“ einsetzt, hat sich auf eine faszinierende Reise durch Indien begeben – u.a. per Nachtzug.

Wer eine Indienreise plant, wird wahrscheinlich irgendwann vor die Frage gestellt, die großen Entfernungen des Subkontinents entweder mit Hilfe eines Inlandsfluges oder per Nachtzug zu überbrücken. Wir entschieden uns bei unserer Reise im April 2016 für die Zugvariante: die 18 Stunden im Zug von Varanasi nach New Jalpaiguri wurden zu einer besonderen Bereicherung unseres Indientrips. Für alle, die vor der gleichen Frage stehen, sind unsere Erfahrungen ja vielleicht eine Entscheidungshilfe und bieten Tipps für die weitere Planung:

Indische Bahnsteige unterscheiden sich eigentlich nicht viel von unseren.

Indische Bahnsteige unterscheiden sich eigentlich nicht viel von unseren.

Bereits am Bahnhof von Varanasi lernen wir, dass die Abfahrtzeit im Reiseplan nur als unverbindliche Orientierungshilfe zu verstehen ist. Da unser Zug bereits am Vortag in Delhi gestartet ist, sind die drei Stunden Verspätung, wie unser Guide Vikash uns versichert, durchaus im Rahmen des Normalen. Die Wartezeit vergeht dennoch wie im Fluge, das bunte Treiben auf dem Bahnsteig und lustige Spieleinlagen Vikashs sorgen für Abwechslung. Es erweist sich als Vorteil, dass erlebe-Indien Kunden von einem Guide zum Zug begleitet werden. Da die Bekanntgabe des Gleises – wahrscheinlich um die Spannung zu erhalten – erst wenige Minute vor Einfahrt des Zuges bekannt gegeben wird, und diese Information der scheppernden Lautsprecherdurchsage nur mit dem notwendigen Insiderwissen zu entlocken ist, erreichen wir mit Hilfe Vikashs und dank eines schweißtreibenden Kurzsprints quer durch den Bahnhof, erschöpft aber glücklich das uns zugeteilte Zugabteil.

Der Zug, mit dem Andreas nachts durch Indien fuhr

Der Zug, mit dem Andreas nachts durch Indien fuhr

Die Zuteilung des Abteils gleicht dabei einem spannenden Lotteriespiel der staatlichen Zuggesellschaft. So landet man entweder in einem Abteil mit zwei oder mit drei übereinander liegen Schlafkojen. Letztere bieten deutlich weniger Komfort, nicht nur durch die geringere Bewegungsfreiheit aufgrund der drei übereinander liegenden Pritschen. Während in den 2er Wagen jeweils 4 Schlafstellen mittels eines Vorhangs zum Gang abgetrennt werden können und so etwas Privatsphäre bieten, fehlen in den 3er Wagons diese Vorhänge, so dass einem regen kulturellen Austausch mit allen Mitreisenden des Wagons nichts im Wege steht. Diese Abteile neigen auch zur Überfüllung, so dass die auf dem Boden der Gänge nächtigenden Passagiere zusätzliche Möglichkeiten zum Schließen neuer Bekanntschaften bieten. Wir haben jedoch Glück und werden einem 2er Abteil zugeteilt, das wir mit einem netten Geschäftsreisenden aus Delhi, sowie Gerdi aus Österreich, auf Meditationslangzeitreise durch Indien, teilen.

Während der langen Fahrt aus der Ganges Ebene hinauf in die Vorgebirge des Himalayas haben wir natürlich Gelegenheit, noch weitere Mitreisende kennenzulernen, z.B. die 8-köpfige 3-Generationen Familie aus Agra, bereits in Vorfreude auf den Verwandtenbesuch und die anstehende Hochzeit, oder auch den etwas nahrungsfixierten Turbanträger, der die gesamte Reise damit verbringt, im Schneidersitz auf seiner Pritsche sitzend, Kartoffeln, Eier und diverse Gemüse auf einem Taschentuch säuberlich in kleine Quadrate zu schneiden und anschließend genüsslich zu verspeisen.

Zwar haben auch wir uns für die lange Fahrt mit Proviant in Form von Keksen, Nüssen und anderen Überlebensmitteln eingedeckt, es stellt sich jedoch schnell heraus, dass dies nicht notwendig gewesen wäre. Einer Prozession gleichend pilgern fliegende Händler durch die Gänge (die an einem Bahnhof ein- und beim nächsten Halt wieder aussteigen), und versorgen die Reisenden je nach Tageszeit mit Chai, dem süßen indischen Tee, Obst, Teigtaschen, duftenden Currygerichten und vielen anderen Köstlichkeiten. Wer auf kulinarische Experimente verzichten möchte, kann dennoch die Zeit der Muße nutzen, bei den Händlern den zeitraubenden Weihnachtsgeschenke Einkauf vorzuziehen und CDs, Schuhe, Gürtel, Schals, Handys, Bücher und viele weitere nützliche Artikel erstehen.

Bei so guter Versorgung mit Speisen und Getränken ist natürlich irgendwann der Besuch der sanitären Anlagen nicht mehr zu vermeiden. Um es gleich offen zu sagen: der hygienische Standard der Örtlichkeiten entspricht nicht den Erwartungen westlicher Reisenden und der Toilettengang kostet schon etwas Überwindung. Als Träger eines Y-Chromosoms genieße ich noch gewisse Vorteile, meine weniger glückliche weibliche Begleiterin meistert die Herausforderung jedoch tapfer mit Hilfe vorsorglich mitgeführter Desinfektionstücher und Papier WC-Sitzen.

Gemütlichkeit in indischen Zügen

Gemütlichkeit in indischen Zügen

Die während des Tages bequemen Sitzgelegenheiten werden nach Einbruch der Dunkelheit vom Zugpersonal in Schlafpritschen umfunktioniert. Da diese eher auf die einheimischen Größenverhältnisse zugeschnitten sind, sind sie mit ca. 1,80m Länge und 60cm Breite etwas beengend beim nächtlichen Drehen. Wir erhalten neben einem Kissen und einer Wolldecke auch ein abgepacktes Paket, bestehend aus einem Kissenbezug uns zwei Laken, mit deren Hilfe wir unsere gemütliche Schlafstatt errichten können. Die Bettbezüge haben sicher bereits bessere Zeiten gesehen, anspruchsvolle Reisende ziehen es eventuell vor, ihr eigenes Laken mit auf die Reise zu nehmen oder einen der praktischen Jugendherbergsschlafsäcke einzupacken.

Koffer und Reisetaschen können bequem unter der unteren Koje verstaut werden und bleiben somit in Sichtweite. Ratsam ist sicherlich, diese mit einem Schloss zu verschließen und Geld, Pässe, Kameras und andere Wertgegenstände in einem Tagesrucksack neben dem Kopfkissen zu platzieren. Wir hatten jedoch zu keinem Zeitpunkt der Fahrt das Gefühl, dass unser Gepäck gefährdet sei. Praktisch ist auch, dass jede Koje über eine Ablage für Wasserflasche und Snacks, sowie über eine kleine Lampe für die abendliche Bettlektüre verfügt. So ausgerüstet verbringen wir, begleitet vom einschläfernden, monotonen Geräusch der Wagenräder sowie einem gelegentlichen melodiösen Handyklingelton (der Inder ist 24/7 online) eine relativ friedliche und erholsame Nachtruhe.

Ein gut gelaunter Andreas auf der Fahrt durch Indien

Ein gut gelaunter Andreas auf der Fahrt durch Indien

Beim Morgengrauen werden wir von den bereits erwähnten Teeverkäufern begrüßt, die, laut „Chai, Chai“ rufend, nicht nur den Wecker ersetzen, sondern auch eine erste morgendliche Erfrischung anbieten. Nachdem wir unsere Schlafplätze wieder in eine aufrechte Position gebracht haben, genießen wir, gestärkt mit frischen Tee und Samosas, die am Zugfenster vorbeiziehende, immer neue Eindrücke vermittelnde Landschaft. Und so bleibt noch viel Zeit zum Träumen, Schmökern im Reiseführer, Schreiben im Reisetagebuch und Beantworten der neugierigen Fragen unser einheimischen Mitreisenden, bis wir gegen Nachmittag mit nur etwa vier Stunden Verspätung im Bahnhof von New Jalpaiguri einfahren, wo uns unser Reiseleiter bereits mit einem erlebe-Indien Begrüßungsschild auf dem Bahnsteig erwartet.

Mein Fazit: Eine Fahrt im Nachtzug durch Indien ist sicher kein entspanntes Luxuserlebnis für behütete Pauschalurlauber. Rückblickend möchten wir diese Erfahrung jedoch nicht missen, bot sie uns doch Gelegenheit, noch etwas tiefer einzutauchen in das echte Indien mit all seinen Widersprüchen: seinem Lärm und seiner Stille, seiner Weite und seiner Enge, seinem Schmutz und seinen Farben, seinen Düften und seinen Gerüchen.


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