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Indien – ein Erlebnis der besonderen Art

26 August 2016

Unser ehemaliger Asien Reisespezialist Marc hat sich nach Indien aufgemacht und sich eine ganz besondere Art ausgesucht das Land zu entdecken. Er war zwei Wochen mit einer Autorikscha unterwegs und hat so Spannendes und Außergewöhnliches erlebt. In seinem Blogbeitrag erzählt er von seinen Eindrücken:

 

Fragt man erfahrene Reisende zu ihrer Meinung über Indien, bekommt man oft zu hören, das Land sei komplett anders und viel intensiver als alle anderen Gegenden, in denen sie je zuvor gewesen sind. Um herauszufinden ob es wirklich so anders ist, haben wir uns eine passende Methode ausgesucht, um das Land zu bereisen: Die landestypische Autorikscha. Innerhalb von zwei Wochen wollten wir von Jaisalmer im Nordwesten 3.000 Kilometer durch Indien in den äußersten Osten nach Shillong fahren.

Reisende vor Rikscha

Mit der Autorikscha durch Indien

Ausgestattet mit allerhand Ersatzteilen wie Benzinfilter, Kupplungskabeln, Zündkerzen und einer Riesenportion Optimismus ließen wir am Montagmorgen um neun Uhr den Motor in der Wüste Rajasthans warmlaufen. Mit knapp 50 Km/h Reisegeschwindigkeit ließen wir schnell erste kleine Siedlungen und winkende Kinder und Erwachsene an den Straßenrändern hinter uns. Uns wurde klar, dass die unzähligen Kühe auf den Straßen ein großes Gefahrenpotential darstellen, ebenso die scheinbar nicht vorhandenen Verkehrsregeln und das für europäische Mägen ungewohnte Essen. Davon ließen wir uns aber nicht einschüchtern, schließlich wollten wir das Land kennen lernen, mit allem was dazu gehört!

Rikscha Indien

Es kann los gehen!

Nach gut der Hälfte der Strecke befanden wir uns zehn Kilometer vor der Grenze zu Nepal. Der Plan war, den Südosten des Landes am Fuße des Himalaya zu durchqueren. Und dann begannen die 24 Stunden, die jeder Reisende kennt und fürchtet. Ein Tag, an dem nichts so läuft wie es soll, und an dem sich alles gegen einen zu verschworen haben schien:

Die zehn Kilometer bis zur Grenze waren die Hölle! Eine Straße, nicht breiter als ein Jeep, verstopft mit LKW und jeder Menge Gegenverkehr, Staub und Lärm. Und mittendrin zwei Deutsche in einem Tuk-Tuk. Wir hatten keine Ahnung, wie es funktionieren konnte, aber wir kamen trotz aller Umstände Stück für Stück vorwärts. Schweißgebadet, nicht nur vom nervenaufreibenden Verkehr, sondern auch aufgrund von schweren Magenproblemen, kamen wir am Immigration Office an. Nachdem wir eine knappe Stunde gewartet hatten, fuhr auch endlich ein Officer vor. Im Büro, das die perfekte Kulisse für einen alten Abenteuerfilm bieten würde, wurde uns jedoch schnell deutlich gemacht, dass wir diese Grenze nicht passieren durften. Aber anstatt uns zurück fahren zu lassen, wurden wir drei Stunden ins Kreuzverhör genommen und alle unsere Papiere wurden genau überprüft. Und das bei ungnädiger Hitze und ohne Getränke.

Als wir aus dem Immigration Office entlassen wurden, brach bereits die Dämmerung herein. Da Fahrten bei Nacht wirklich gefährlich sind, checkten wir im ersten Hotel, das wir gefunden haben, ein. Dank zahlreicher Insekten, der benachbarten Bahnstrecke und im Viertelstunden-Takt klopfenden Personals war der Aufenthalt leider nicht ganz so entspannt, wie wir es uns nach dem aufregenden Tag gewünscht hätten. So ging es bereits früh am nächsten Morgen für uns weiter.

Nach einer Weile entdeckten wir eine riesige Menschentraube auf der Straße. Da die Region Bihar bekannt für Banditen war, wollten wir nur ungern anhalten. Allerdings kamen wir hier nicht vorbei. Anstatt in Banditengesichter, guckten wir jedoch in verzweifelte Augen – ein junger Mann wurde scheinbar von einem Auto angefahren. Das kurz vorm Kollabieren stehende Unfallopfer wurde schnell in unsere Rikscha getragen, neben ihm stieg seine Mutter ein und vorne links und rechts je einer seiner Freunde, die ihn begleitet hatten. Mit sechs Personen und sieben PS fuhren wir ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort angekommen waren wir heilfroh, dass sich nun ein Arzt des Opfers annahm. Nachdem wir einem der Freunde des Angefahrenen noch etwas Geld für den Arzt zugesteckt hatten, fuhren wir weiter Richtung Darjeeling. Die letzten 24 Stunden waren wirklich kein Urlaub, aber irgendwie auch Erfahrungen, die uns das Land vielleicht besser verstehen ließen. Und dann passierte, was ebenfalls jeder Reisende kennt: Steckt man im tiefen Loch, wendet sich plötzlich das Blatt!

Die Fahrt in die Berge der für den Tee bekannten Region Darjeeling haute uns komplett um. Alles grün, alles saftig, alles lebendig. Die Luft war unglaublich frisch und die Menschen so freundlich und fröhlich, dass man am Liebsten laut losjubeln wollte. Als wir am Straßenrand anhielten, um die Natur und Stille für einen Moment zu genießen, hörten wir ein Rascheln in den Bäumen und sahen, wie neugierige Affen uns beobachteten. Motorradfahrer, die uns locker hätten überholen können, begleiteten uns für viele Kilometer, nur um sicherzugehen, dass wir mit unserer sich den Berg hochquälenden Rikscha auch wirklich sicher oben ankamen. Der Ausblick raubte uns den Atem, und die Teefelder wirkten beinahe unecht, so perfekt sahen sie aus. Dass der Tee am Abend der Beste unseres Lebens war, brauchen wir wohl nicht erwähnen. Das Leben war schön und Indien meinte es gut mit uns!

Nach genau zwei Wochen erreichten wir Shillong. Ersatzteile haben wir keine gebraucht und größere Unfälle sind ausgeblieben. Zwar waren wir irre erschöpft, aber die Erfahrungen und Erlebnisse aus 14 Tagen Indien sind unbezahlbar und bieten viel Stoff für Geschichten, die wir vermutlich noch unseren Enkelkindern erzählen werden. Und wir haben unsere Bestätigung gefunden: Indien ist wirklich intensiver als alle Länder, die wir zuvor gesehen haben.

Reisverkäufer in Indien

 

Inder auf Treppe

 

Inder in traditionellem Gewand


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