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Geschichten rund um den Portwein

von Mehr Carola Gierke Reisespezialistin Portugal

6 November 2015

Wofür ist Portugal eigentlich bekannt? Nicht nur für die Kork-Produktion, die wunderbaren Küsten und grünen Wälder, auch nicht nur für köstliche Fischgerichte und Fußball… Na? Natürlich für seinen herrlich süßen Portwein, den es in den verschiedensten Kreationen gibt. Im 18. und 19. Jahrhundert vor allem bekannt als ein Getränk für englische Adelsleute, ist der Portwein heute weltweit beliebt und absolut typisch für Portugal. Reisespezialistin Carola ist dem Geheimnis des Portweins einmal auf den Grund gegangen, und zwar dort wo er herkommt: aus Portugal.

 

portweinboote

Portweinboot auf dem Rio Douro

In Porto gibt es noch viele traditionelle Portweinkellereien, die auch heute noch wie vor Jahrhunderten Port produzieren. Selbstverständlich möchte ich es mir daher nicht nehmen lassen, während meiner Reise auch an einer kleinen Weinprobe und an einer Führung durch einen Portweinkeller teil zu nehmen. Schon auf dem Weg von unserer Unterkunft auf die andere Seite des Rio Douro gibt es viel zu entdecken. Da es früher einfach günstiger war, auf der anderen Seite des Flusses und nicht direkt in Porto ein Geschäft zu eröffnen, hat es die meisten Kellereien in die Villa Nova de Gaia verschlagen. So wurde die Stadt südlich von Porto zur „Hauptstadt des Portweins“. Übrigens waren es die Engländer, die schon früh den portugiesischen Wein schätzen lernten und sich in der Stadt ansiedelten, um Portwein zu produzieren, wie wir später in der Führung erfahren.

Ein Geruch von gegrillten Sardinen schwebt durch die kleinen Gassen, in denen hoch oben die Wäsche zwischen den Häusern im Wind flattert. Die Portugiesen widmen sich dem Mittagessen – eine hier sehr wichtige Mahlzeit, für die man sich auch mal ein paar Stunden Zeit nimmt. Auf dem Douro schaukeln fröhlich die Rabelos, die Portweinboote, die jahrhundertelang als Transportmittel zwischen Porto und dem Dourotal dienten. Sie holten den Wein aus dem Tal und brachten ihn zu den Kellereien in der Stadt. Das Dourotal wurde bereits vor einigen Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt.

Über die mehrstöckige Dom Luís Brücke, die von Straßenbahnen, Autos und auch Fußgängern genutzt wird, geht es nun auf die andere Seite des Flusses. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Ribeira, die Altstadt von Porto, die sich nun mit ihren kleinen bunten Häuschen vor mir aufbaut. Einige davon sehen ziemlich schief aus und wir fragen uns wie das wohl alles zusammen hält. Es ist schon fast etwas schwer, sich von dem Anblick des Treibens auf der anderen Seite mit dem Ufer und den hübschen Booten los zu reißen, aber auf die Portweinprobe wollen wir auf keinen Fall verzichten! Die Straßen in der Vila Nova de Gaia sind schmal und winden sich in alle möglichen Richtungen. Für eine recht kurze Strecke kann man doch mitunter einige Minuten benötigen. So entdeckt man aber häufig auch interessante Fotomotive und lernt die Stadt ganz individuell kennen.

 

farbenfohe ribeira porto

Ein Blick auf die farbenfrohe Ribeira

Am Ziel angekommen, werden wir als erstes von einem bunten Pfau begrüßt, der Gelände auf und ab stolziert. Die Kellerei ist umringt von Grün, überall strecken große Blumen ihre bunten Blüten aus. Es kommt mir so vor, als wäre das Getümmel der Großstadt plötzlich sehr weit weg. Man begrüßt uns herzlich und schon geht es los. Erst wundere ich mich etwas, da es gar nicht treppab in den Keller, sondern über den Hof in einige große Hallen geht. Das Licht ist schummerig hier drin, über und über türmen sich die Portweinfässer ordentlich in den Reihen. Jetzt erfahren wir endlich, wie es überhaupt zum Portwein kam. Um den Wein haltbarer zu machen wurde dieser von den Seefahrern in früheren Zeiten mit Branntwein versetzt und dann auf lange Schiffsreisen mitgenommen. Vor allem in England wurde der portugiesische Wein früh beliebt.

Ob denn immer ein neues Fass angefertigt werden müsse, wenn junger Portwein abgefüllt wird, fragt ein Interessierter aus der kleinen Gruppe. „Nein, bloß keine neuen Fässer verwenden“, ist da prompt die Antwort, „der Wein sollte in alten Fässern lagern“. Die teilweise riesigen Fässer werden gereinigt und dann wieder verwendet. Hierbei muss man höllisch aufpassen, erklärt uns die freundliche, ältere Dame, die bereits mit jungen Jahren in das Familiengeschäft eingestiegen ist. Es braucht zwei Männer und zwei Tage um ein Fass zu reinigen. Dabei darf ein Mitarbeiter nur maximal 15 Minuten in dem Fass sein. „Sonst kommt er nie wieder raus“, sagt sie scherzhaft. Wir erfahren eine Reihe weiterer Dinge. Zum Beispiel nimmt die Menge an Portwein in einem Fass während seiner Lagerzeit ab, im Jahr sogar bis zu 12 Liter.

Auch weiß unsere erfahrene Begleiterin einiges über Geschmack und Alter des Weins zu erzählen und wir lernen ein paar Tricks, wie man schon auf dem Etikett einiges über den Portwein heraus bekommt. Wenn kein Jahrgang auf der Flasche steht, bleibt der Wein mit den Jahren im Geschmack gleich. Wenn ein „Alter“ auf der Flasche steht, wird der Geschmack mit den Jahren besser.

Wieder zurück im Schankraum der Kellerei angekommen, empfängt uns ein tolles Interieur. Hier sitzt man auf Pipen (kleinere Lagerungsmöglichkeit für den Wein) um alte, zu Tischen umfunktionierte Fässer herum. Zu probieren gibt es gleich drei verschiedene Sorten Portwein, einen weißen Port, einen Ruby und einen Tawny, wie man uns mitteilt. Natürlich gibt es noch jede Menge mehr Sorten, an einem Tag wäre es wahrscheinlich gar nicht möglich, die alle zu probieren.

 

Weinprobe Porto

Bei einer Probe versuchen wir den Portwein einmal selbst

Zu den gereichten Weinen gibt es zwei köstliche kleine Pralinen. Mit einer Empfehlung welche Süßigkeit zu welchem Wein am besten passt, entlässt man uns in den grünen Garten. Hier könnte man Stundenlang verweilen, denke ich mir. Der Blick über die schiefen Hausdächer rüber auf die Ribeira, der Duft von bunten Blumen und die bereits untergehende Sonne machen diesen Ort zu etwas Besonderem, an dem man sich solche Leckereien gern schmecken lässt.

Der weiße Portwein wird gern gekühlt als Aperitif verwendet, auch als Dessert kann man sich den weißen Port schmecken lassen. „Dann muss er aber Zimmertemperatur haben“, sagt die Kennerin, die noch einmal vorbei kommt, um zu fragen, wie uns die Weine schmecken. „Auch mit Schweppes gemischt kann man weißen Port super anbieten“, gibt sie uns noch als Tipp mit.

Nun wagen wir uns weiter vor. Der Tawny ist etwas heller, als der Ruby im Glas daneben, fast bernsteinfarben. Die hellere Farbe entsteht durch eine längere Lagerungszeit. Während unserer kleinen Führung haben wir erfahren, dass der Wein auch immer ein wenig der Aromen des Fasses annimmt, in dem er gelagert wurde. Gemeinsam mit der Schoko-Nuss Praline ist das schon ein tolles Geschmackserlebnis. So auch der Ruby, der sich in einer tief roten Farbe präsentiert und herrlich nach frischen Waldbeeren schmeckt. „Warum haben die Gläser eigentlich diese nach oben schmaler werdende Form?“, höre ich jemanden an dem kleinen Nachbartischchen fragen. „50% des Geschmacks gehen über die Nase“, ist die erstaunliche Antwort. Wir merken uns, dass wir das beim nächsten Glas genauer beachten. „Wenn der Wein nämlich angenehm riecht, ist das schon die halbe Miete. Ebenfalls kann man beim Schwenken nichts verschütten.“

 

Portugal-Portwein-Glaeser

Roter und weißer Portwein

Für mich ist es fast etwas schwierig, bei den ganzen Sorten und Lagerungsmöglichkeiten (manche Portweine werden nach einiger Zeit auch in Flaschen abgefüllt und reifen dort nach) den Überblick zu behalten. Jedoch war dieser Ausflug in jedem Fall ein Highlight unserer Reise, stellen wir, leicht beschwipst, auf dem Rückweg in unsere Unterkunft fest. Immerhin hat der Portwein einen Alkoholgehalt zwischen 19 und 22%!

Dieser zauberhafte Ort in der Vila Nova de Gaia und das Eintauchen in einen Teil der Geschichte des Landes haben uns vollauf begeistert. Der Baustein „Porto, Portwein…Portugal“ hält sogar noch einen Besuch im Dourotal bereit, in dem sich die Weinterrassen aneinander reihen und einen beeindruckenden Anblick bieten. Hier reifen die Trauben in der Sonne und im September findet die sogenannte Vindima, die Weinlese, statt. Mit diesem und den anderen Bausteinen von erlebePortugal können auch Sie das „echte“ Portugal erleben und dabei in landestypischen Unterkünften übernachten – nicht nur im Norden hält das kleine Land einige Highlights für Besucher bereit.

dourotal-abendsonne

Hier kommen die Trauben für den Portwein her: Das Douro-Tal

 


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