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Bhutan von West nach Ost Teil I

3 März 2013

Reisespezialistin Jessica erzählt von Ihrer Reise ins Land des Donnerdrachens. Sie begann mit einem wirklich spektakulären Flug von Delhi nach Paro. Das Herz hüpfte ihr vor lauter Freude und Begeisterung bei der Überquerung der verschneiten und friedlichen Bergwelt des Himalayas inklusive Blick auf den Mount Everest, um dann tief in die Hose abzurutschen beim Landeanflug auf Paro…

Reisespezialistin Jessica am Tigernest

Reisespezialistin Jessica am Tigernest

Unser Flugzeug – immerhin ein stattlicher Airbus 319 – wurde dabei in das Paro Tal abgesenkt, geschickt um eine Rechts- und schließlich Linkskurve gelenkt, wobei die Tragflächen fast die Berghänge zu berühren schienen, bis schließlich – endlich – die Landebahn vor uns lag und das Flugzeug sicher aufgesetzt wurde. Das Bhutan Abenteuer konnte beginnen! Zusammen mit Fahrer und Guide startete ich meine Rundreise mit einer Wanderung zum Tigernest, das in ca. 3.000 m Höhe am Fels hängend erbaut wurde. Guru Rinpoche, Bhutans wichtigster Heiliger, hat es sich damals einfach gemacht und ist mit einem Tiger einfach hochgeflogen. So etwas stand mir nicht zur Verfügung und ich verzichtete auch auf die kleinen Ponys, sondern machte mich zu Fuß auf den Weg. Die Wanderung in der dünnen Luft hat mir zwar einiges abverlangt, sich aber tausend Mal gelohnt! In Paro ist mir auch der Kyichu Lhakhang in guter Erinnerung geblieben, einer der ältesten Tempel ganz Bhutans. Ein tibetischer König kämpfte vor Jahrhunderten gegen einen Dämon und nagelte diesen mittels der Tempel am Boden fest. Der Tempel in Paro steht auf dem linken Fuß des Dämons und ist einer von insgesamt 108, die in Bhutan und Tibet verteilt stehen. Der zweite in Bhutan erhaltene Tempel ist ca. 300 km weit entfernt in Bumthang zu finden und steht auf dem rechten Knie. Ich bin immer noch beeindruckt von der Größe des Dämons und ebenso von der Info, das alle 108 Tempel an einem Tag gebaut wurden.

Von den Bergen in die Stadt – Thimphu

Frauen in BhutanEs ging weiter nach Thimphu und die kurvigen Passstraßen schlugen mir etwas auf den Magen. Mein Guide überließ mir daher für den Rest der Tour den Platz vorne neben dem Fahrer, die Übelkeit war von da an wie weggeblasen und ich genoss die Überlandtransfers sehr. Thimphu ist eine vergleichsweise moderne, bhutanische Stadt mit einer langen Einkaufsstraße und kleinen Geschäften, Restaurants, Bars und sogar Fitnessstudios. Der Fortschritt ist spätestens seit der Einführung des Fernsehens auch in Bhutan nicht mehr aufzuhalten. In Thimphu schlug mein Guide ein Besuch des Postamtes vor, wegen der einzigartigen bhutanischen Briefmarken. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie für Briefmarken interessiert, willigte aber trotzdem ein und verbrachte schließlich viel Zeit mir die wirklich hübschen Briefmarken anzuschauen. Schließlich machte eine Postangestellte noch ein Foto von mir, druckte es auf eine gültige, bhutanische Briefmarke, mit denen ich meine Postkarten beklebte, die ausnahmslos alle nach einigen Wochen in Deutschland ankamen.

Wochenmarkt in Punakha

Der Wochenmarkt in Punakha

Der Himalaya zum greifen nah

Am nächsten Tag überquerten wir auf dem Weg von Thimphu nach Punakha den Dochula Pass mit rund 3.100 m Höhe. Ich hatte Glück, die Sicht war glasklar und vor mir erstreckte sich der Himalaya mit Blick auf die höchsten Berge Bhutans, die allesamt immerhin über 7.000 m hoch sind und gleichzeitig als Sitz von Götter und Geister die höchsten unbestiegenen Berge der Welt sind. Auf der anderen Seite des Passes schlängelt sich die Straße am Berg entlang hinunter ins Punakha Tal, das Klima wurde etwas milder  und die Landschaft änderte sich von Nadelwälder in weite Reisterrassen und sogar Bananenstauden wuchsen hier. An diesem Tag habe ich insgesamt  1.850 Höhenmeter überwunden – von 2.300 m auf 3.100 m hoch und wieder runter auf 1.250 m – und es gab geschätzte 20 Grad Temperaturunterschied! In Punakha ist der restaurierte Dzong  wirklich ein Schmuckstück und hat mir gut gefallen. Er liegt am Zusammenfluß zweier Flüsse – Mo Chhu und Pho Chhu (Ying und Yang oder der weibliche und der männliche Fluss) und wurde der Legende nach einem Hügel erbaut, der einem schlafenden Elefanten ähnlich sieht. Und man braucht gar nicht so viel Fantasie, um den Elefanten auch zu erkennen…

Jessica beim Homestay in Bhutan

Die Reise führt weiter nach Samtengang, einem kleinen Dorf, wo ich bei einer bhutanischen Familie übernachten durfte. Der Guide versuchte mich schonend aber eindringlich auf die einfachen Verhältnisse vorzubereiten und bot mir sogar an, eine Übernachtung im Hotel zu arrangieren. Scheinbar hatte es bereits Gäste gegeben, die das Haus gesehen haben und direkt wieder umgekehrt sind… Trotz allem wollte ich aber die Nacht hier verbringen und letztendlich entpuppte sich für mich der Aufenthalt als ein weiteres Highlight der Reise. Wer eine idyllische Familie erwartet, die abends singend um ein offenes Feuer sitzt, wird in der Tat enttäuscht werden – wie bereits erwähnt gibt es auch in Bhutan mittlerweile Fernseher und bei meiner Familie lief dieser sogar während des Abendessens und tiefgründige Gespräche waren aufgrund der Sprachbarriere auch nicht möglich. Mir gefiel ganz einfach die Abgeschiedenheit oben auf diesem Berg, das einfache aber leckere Essen und einen Abend im Kreise der Familie verbringen zu dürfen. Ich habe hier Buttertee probiert (der wirklich gewöhnungsbedürftig ist), einen Mönche getroffen, der mit im Haus wohnte und sogar extra sein Zimmer für uns frei geräumt hat, und einen alten Mann, der in jungen Jahren von einem  Bären angefallen wurde (die in Bhutan weit verbreitet sind) und dabei deutliche Spuren im Gesicht hinterlassen hat.

 

Reisen Sie nächste Woche im zweiten Teil mit Jessica weiter zum Kranichtal und Gom Kora.


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Ein Kommentar
Irmel, 4. März 2013, 00:16 Uhr

Was für eine schöne Beschreibung – ich bekomme richtig Lust, auf dem linken Knie des Dämonen zu stehen oder Buttertee zu trinken. Freue mich auf den 2. Teil

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