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Von Beijing nach Hong Kong – meine kulinarische Reise durch China

von Mehr Maria Schönfeld Reisespezialistin

4 Oktober 2018

Sengende Hitze stand über der Hauptstadt Chinas als der nagelneue Buick am Nachmittag das kleine Hotel im Hutong-Viertel von Peking erreichte. Ich war völlig ausgelaugt vom langen Flug. Ganz zu schweigen davon, dass ich auch noch krampfhaft gegen meine Flugangst ankämpfen musste. Aber der Kampf hatte sich gelohnt und so begab ich mich auf eine kulinarische Reise durch China!

Meine kulinarische Reise durch China

Die Reise nach China stand ganz unter dem weisenden Stern der Kulinarik: Wie war es im Land der Mitte und der wohl (und daran besteht kein Zweifel) vielfältigsten Küche der Welt anders zu erwarten. Nach einem schnellen Check-In im Hotel zog es mich in die alten Gassen der Pekinger Altstadt, wo nicht nur Architekten beim Anblick der jahrhunderte Jahre alten Bauten ihre Freude haben, sondern auch der Gaumen mit einem guten Schmaus belohnt werden soll.

Zuerst schlenderte ich nur so durch das Labyrinth aus Gassen und Gärten und schwelgte in Erinnerungen an meinen letzten Besuch in Peking. Dann fiel mir plötzlich ein kleiner Stand am Straßenrand ins Auge, auf welchem sich kleine weiße Keramikgefäße stapelten, die von einer blau-weißen Haube abgedeckt wurden. Hier wurde běijīng suānnǎi verkauft. Der Nordchinese kennt es als gesüßten Trinkjoghurt und in der trockenen Sommerhitze ist das Getränk besonders beliebt. Ein Becher kostete ca. 5 CNY. Einheimische bringen die Keramikbecher normalerweise wieder zum Kiosk oder Stand, an welchen sie erworben wurden, zurück. Ich nutze meinen bis heute als originelles Souvenir und kleine Blumenvase.

 

China Trinkjoghurt

Der gesüßte Trinkjoghurt ist besonders bei Hitze sehr beliebt

 

Am Abend stand ein Treffen mit Angie, der Managerin von Charmission, unserer Partneragentur, auf meinem Programm. Normalerweise laufen geschäftliche Treffen in China eher formell ab, das heißt, in einem schicken Restaurant, mit teurem Wein und einem königlich anmutendem Gedeck – es sei denn, man begegnet sich auf freundschaftlicher Ebene. Und so begann der Abend mit Angie in einem lokalen Fischrestaurant unweit meines Hotels folgendermaßen:

 

Treffen Fischrestaurant

Ein gelungenes Treffen in einem kleinen Fischrestaurant

 

Ich hatte gleich vorab mehrfach betont, dass ich gerne eine legere Atmosphäre bevorzuge, irgendwo in einem kleinen und eher lokalen Restaurant. Hier haben wir neben ein paar kleineren vegetarischen Gerichten auch Fisch nach Sichuanart bestellt. Die Provinz Sichuan im Westen Chinas ist bekannt und berüchtigt für ihre würzige Küche. Die Chinesen nennen die für diese Gegend typische Gewürzmischung – mittlerweile ist sie in ganz China schon verbreitet – málà, was so viel wie scharf-betäubend bedeutet. Einzigartig hierbei ist die Beimischung von Sichuan-Pfeffer oder Chinesischem Pfeffer, welcher eine Art prickelndes und betäubendes Gefühl auf den Lippen und der Zunge auslöst. Meine Empfehlung für den Winter (da im Juni eher unüblich): Probieren Sie die feurig-scharfe Suppe málàtàng, welche in China nur noch in Peking und in manchen Teilen Sichuans zu finden ist. Unser Abendessen war – nicht zuletzt wegen der Lage abseits der Touristenmassen und der ausschließlich chinesischen Karte – mit knapp 250 CNY unschlagbar günstig.

Nächster Stopp: Suzhou

Die kulinarische Reise setzte ich einige Tage später weiter Richtung Süden nach Suzhou fort. Die Wasserstadt Suzhou im Yangtse-Delta ist unter Einheimischen sowie westlichen Touristen für die unzähligen Kanäle und Wasserstraßen bekannt, unter anderem führt von Suzhou aus die längste von Menschenhand geschaffene Wasserstraße “Der große Kanal” bis nach Peking. Ähnlich wie andere Städte im Yangtse-Delta ist Suzhou beliebt für seine leichte und frische Küche mit viel Fisch, Schalen- und Krustentieren. Aber in Suzhous Altstadt gibt es auch weitere Köstlichkeiten zu entdecken: Kleine Restaurants und Marktstände reihen sich hier aneinander und werben mit leckeren xiăochī, kleinen Snacks, um die Gunst der Besucher.

 

China Kulinarik Snacks

Oft werden kleine Snacks und Köstlichkeiten angeboten

 

Von traditionellen Nudelhäusern bis zu muslimischen Ständen mit Fleischspießen und kandierten Früchten aus ganz China gab es hier allerlei für Auge und Magen. Ich möchte hier nur eines der bekanntesten Snacks vorstellen: chòu dòufu, stinkender Tofu. Der Tofu, welcher auf unterschiedliche Art und Weise mit diversen Saucen in solcher oder ähnlicher Form in ganz China serviert und gegessen wird, wird vor dem Frittieren mariniert oder fermentiert und nach der Zubereitung in siedendem Öl heiß gegessen. Der Name leitet sich vom beißenden Geruch nach dem Frittieren ab und sollte nicht vom Probieren abhalten! Halten Sie sich am besten vor dem ersten Bissen die Nase zu.

 

Stinkender Tofu China

Der Tofu kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise zubereitet werden

Neue Leckereien in Shanghai

Auch in der Megametropole Shanghai, wohin ich am nächsten Tag weiterreiste, gibt es diverse Läden und ganze Supermärkte spezialisiert auf xiăochī. Alles ist hier nur ein bisschen größer, ein bisschen moderner, ein bisschen lauter. Die Hochbauten Shanghais verbergen Schätze von in Plastik und kleine Tütchen verpackten Leckereien: von süß bis salzig, sauer bis herb. Gerade Shanghai ist seit meinem letzten Besuch gewachsen und hat sich stark verändert. Zuerst flanierte ich nur entlang der großen Meilen wie der Nanjing Road. Später verließ ich diese in Richtung der kleineren Nebenstraßen, wo sich kaum noch Westler tummeln und sich nur ein paar mutige Langnasen hin verirren. Hier entdeckte ich neben traditionellen Garküchen auch ein paar coole, neue Errungenschaften der chinesischen “Kulinarik”: Saft aus sauren Pflaumen versetzt mit Flüssigstickstoff.

 

Saft Pflaumen Flüssigstickstoff

Besonders bei Kindern sehr beliebt: Saft aus sauren Pflaumen versetzt mit Flüssigstickstoff

 

So entsteht eine ganz eigene und neue Art des in Shanghai seit langem bekannten Pflaumen-Eises. Chinesische Kinder fahren ganz darauf ab! Der Stand – übrigens auch Teil eines xiăochī-Marktes – wird von Kindern und deren das Smartphone zückenden Müttern umringt. Bewaffnet mit meiner Kamera und Geldbörse stürzte ich mich ins Abenteuer! Im Vergleich zu Chinas geschmacklich explosiven Snack-Varianten wie kandierten Früchten, getrockneten Tofu oder Fisch, Esspapier und anderen Dingen ist das Pflaumen-Eis keine sensationelle Neuentdeckung. Neugierige sollten sich aber beim nächsten Chinabesuch ruhig heranwagen, denn so schnell wie diese neuen Erfindungen auf den Markt kommen, so schnell verschwinden sie auch oft wieder aus dem Straßenbild der chinesischen Metropolen.

 

Zubereitung Snacks

Die Zubereitung verschiedener Snack-Varianten

Die Spezialitäten von Guilin

Drei Stunden Flug von Shanghai entfernt, liegt, umgeben von malerischen Karstbergen, die Stadt Guilin. Auch der Elefantenrüsselberg, das Wahrzeichen der Stadt, und das gemächliche Treiben der Menschen am Fluss haben ihren Reiz, aber schon gleich am ersten Morgen nachdem ich vom Guide am Hotel abgeholt werde, fragte ich ihn nach den Spezialitäten aus.

Reisnudeln in allen Varianten, erfuhr ich, werden von der hiesigen Bevölkerung zu jeder Tageszeit gegessen. Da wir früh am Morgen aufbrachen und mein Magen leer war und langsam in ein unangenehmes Grummeln verfiel, schlug ich vor, doch vor der Besichtigung der Schilfflötenhöhle und des Elefantenrüsselberges kurz Halt zu machen, um zum Frühstück die lokalen Reisnudeln zu probieren.

 

Fruehstueck Reisnudeln

Zum Frühstück probierte ich die beliebten Reisnudeln

 

Am Eingang der Parks zum Elefantenrüsselberg befand sich ein kleines Nudelhaus, wohin mein Guide mich begleitet und mir eine kurze Einführung in die unterschiedlichen Nudelsorten und Saucen gab. Ganz nach dem Motto “was die Einheimischen frühstücken, frühstücke ich auch” bestellte ich mir eine scharfe Nudelsuppe mit Ei. Mit etwas Koriander und frischen Frühlingszwiebeln garniert, war das Gericht eine Wohltat für den hungrigen Magen. Ein Frühstück im gut besuchten Restaurant kostete ca. 10 CNY.

Die Küchen Guilins, Yangshuos und des in den Reisterrassen Longji gelegenen Dazhais, sind sich sehr ähnlich und oft werden Gerichte aus Guilin auch anderswo genauso oder ähnlich serviert. Reisnudeln finden sich sowieso fast überall in China und sind eine gesunde und leckere Alternative zu den herkömmlichen Weizen- oder Buchweizennudeln. Was ich jedoch nur in Yangshuo und Dazhai finde ist píjiŭyu, Bier-Fisch.

 

Bierfisch Yangshuo Dazhai

Den Bier-Fisch habe ich nur in Yangshuo und Dazhai gefunden

 

Mancherorts wird es auch mit Hähnchenfleisch reserviert und heißt dann píjiŭji. Aufgrund der Nähe zum Wasser, und davon mangelt es in der Provinz Guangxi nicht, sind Fischgerichte hier jedoch überaus beliebt und werden bevorzugt von Restaurants zubereitet. Zudem ist der Fisch hier oft noch so frisch, dass er vom Fluss lebendig ins Wasserbecken und erst nach Bestellung in die Küche gelangt.

Bier-Fisch in Jiuxuan

Auf Empfehlung eines Bauern, den ich während meiner Radtour entlang des Yulong-Flusses in Yangshuo antraf und freundlich nach dem Weg zum nächsten Restaurant fragte, gelangte ich nach einer etwa einstündigen Fahrt in das Dörfchen Jiuxuan. Hier kehrte ich ein in ein kleines Hotel-Restaurant, das verschlafen am Straßenrand liegt. Zwei hölzerne Tische und einige Stühle standen vor dem Haus, die Fenster zum Hausinneren waren weit offen, von innen her dröhnte der Fernseher und ich hörte einen kleinen Hund bellen und einige Männer laut auflachen. Der Nachmittag ist für viele in dieser Region eine Art “chinesische Siesta”.

Es ist ein schwüler Nachmittag, der subtropische Sommer schien Einzug gehalten zu haben. Nach nichts sehnte ich mich mehr als nach einem Glas kalten Wasser. Nach circa 10 Minuten erschien eine freundliche Dame an meinem Tisch und hielt zwei Menükarten in der Hand, eine auf Chinesisch und die andere in englischer Sprache. Sie stotterte leicht – wahrscheinlich in Angesicht meines ausländischen Aussehens – und wirkte erst erleichtert als ich sie auf Chinesisch nach ihrer Empfehlung für das Mittagessen fragte. Sie sagte, dass der Bier-Fisch hier eine Spezialität sei und der Fisch direkt im nebenan gelegenen Yulong-Fluss gefangen werde. Kaltes Wasser könne Sie mir auch bringen. Von der Größe der Portion war ich etwas überwältigt und nach der Hitze war der Magen bereits nach wenigen Brocken beschwichtigt. Den Rest ließ ich mir einpacken. Vielleicht überkommt mich auf der Rückfahrt nochmal der Hunger, dachte ich. Das Fischgericht inklusive einer großen Schale Reis und einer Wasserflasche kosteten ungefähr 100 CNY. Freundliche Bedienung inklusive.

Bevor ich nach Dazhai aufbrach, traf ich mich am nächsten Morgen mit einer weiteren Mitarbeiterin von Charmission, mit Leena. Gemeinsam entdeckten wir uns noch unbekannte Köstlichkeiten des Südens. Eins verbindet uns definitiv: die Liebe zum scharfen Essen. Unser Abendessen bestand – neben dem traditionellen Bambusreis und einem vegetarischem Gericht – aus einer aus Chongqing stammenden Suppe máo xuě wàng.

 

China Scharf Suppe

Die sehr scharfe Suppe ist eine Kostprobe auf jeden Fall wert

 

Vielleicht nicht für alle Westler geeignet, aber durchaus eine Kostprobe wert, ist dieser Hauptgang auf Basis einer scharfen Brühe, eingedicktem Blut und sonstigem Gemüse wirklich schmackhaft. Auf die Kostprobe der Blutstückchen verzichtete ich ebenso, aber das nach rotem Pfeffer und Chilis schmeckende Gemüse bekam mir an diesem verregneten Tag gut.

Reichhaltiges Mittagsbuffet in Dazhai

In Dazhai schließlich, luden uns die Besitzer des Hotels, welches wir für unsere Kunden anbieten, zum reichhaltigen Mittagsbuffet ein. Der Tisch wurde gedeckt mit Wassermelone und anderem Obst, Eierkuchen mit frischen Frühlingszwiebeln, gekochtem Reis, Bambussprossen und dem in Südostasien und Südchina bekannten Bambusreis, zhutong fàn.

 

China Mittasbuffet Dazhai

Beim Mittagsbuffet war für jeden etwas dabei

 

Dazu wurde frischer selbst gemachter Reiswein serviert. Auf der Terrasse des Hotels sitzend, genossen wir die atemberaubende Sicht ins Tal und entspannten nach der dreistündigen Serpentinenfahrt nach Dazhai. Bambusreis wird von der einheimischen Bevölkerung im Süden Chinas in vielen Dörfern und Städten zubereitet und ist zu jeder Tageszeit eine beliebte und nahrhafte Mahlzeit. Dazu werden Bambusrohre (manche in der Größe von bis zu 20 cm Durchmesser) mit Klebereis und weiteren Zutaten wie Speck, Eiern, Gemüse und manchmal roter Bohnenpaste gefüllt und über dem offenen Feuer gegart. Vor dem Servieren wird das Rohr dann durch einen Hieb in zwei geteilt und der Reis entnommen. Dieser wird übrigens häufig bereits als Hauptgericht angesehen, anders als der herkömmlich gekochte Reis, der in China nur als Beilage dient.

 

Kulinarische Reise Bambusreis

Bambusreis ist eine sehr beliebte Spezialität

 

An meinem letzten Tag in Hong Kong begegnete ich in den kleineren Gassen und in Einkaufshäusern wieder den allbekannten “Snacks”. In Kanton und Hongkong hört man dafür den häufiger verwendeten Begriff dim sum, kleine Leckereien. In der kantonesischen Küche ist mit dim sum das portionsgerechte, kleine und in Bambuskörben gedämpfte Essen gemeint. Ähnlich wie die xiăochī des Nordens werden auch diese oft am Straßenrand serviert und sind eine vollständige und kostengünstige Mahlzeit. Bis in den Westen ist dieser Begriff der dim sum durchgedrungen und hat sich etabliert. Wartet ihr nun immer noch beim Chinesen um die Ecke auf die gebratenen Reisnudeln? Nichts wie auf ins Land der Mitte – nach China! Hier gibt es noch viele weitere Köstlichkeiten zu entdecken!

Wenn auch Ihr Interesse an einer Reise nach China geweckt wurde, schauen Sie sich gerne unsere Reisebausteine und Rundreisen an.


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