Mein aufregender Aufenthalt bei den Massai in Kenia

von Mehr Julia Hens Reisespezialistin

18 September 2019

Ein Besuch in einem Massai Dorf gehört zum Pflichtprogramm für Tansania und Kenia Reisen. Die Massai sind für die traditionellen Tänze und die rote Kleidung bekannt. Was für ein interessantes Volk dahinter steckt, erzählt Reisespezialistin Julia in ihrem Blogbeitrag.

Neben abwechslungsreichen Landschaftsformen und einer unglaublichen Tierwelt hat Ostafrika auch eine spannende Volksgruppe zu bieten – die Massai. Sie sind sowohl im Norden von Tansania als auch in Kenia beheimatet und werden Ihnen immer wieder während Ihrer Reise begegnen. Ein spannender Anblick, da sie meist zusammen mit einer großen Ziegen- oder Kuhherde anzutreffen und ihre farbenfrohen, leuchtenden Gewänder schon aus weiter Ferne zu erkennen sind. Auch die unzähligen kleinen Massai Dörfer prägen das Landschaftsbild beider Länder. Meist sind die Hütten kreisförmig angeordnet und bestehen aus getrocknetem Kuhdung, Lehm und einzelnen Holzpfosten. Während Ihrer Safari haben Sie fast immer die Möglichkeit, ein kleines Massai Dorf zu besuchen. Zugegebenermaßen ist dies in den meisten Fällen leider eine sehr touristische Angelegenheit und Sie erfahren nur wenig über deren halbnomadische Lebensweise und Traditionen. Auf meiner ersten Tansania Reise vor einigen Jahren habe ich es in jedem Fall so empfunden. Im Vorfeld hatte ich mir von diesem Besuch mehr versprochen. Von den Bewohnern des Dorfes wurden meine damalige Gruppe und ich bereits erwartet und mit einem Tänzchen begrüßt. Anschließend durften wir uns zwar die Lehmhütten auch von innen anschauen, Fragen wurden aber kaum beantwortet. Stattdessen wurden wir recht schnell zum handgefertigtem, traditionellen Perlenschmuck geführt und zum Kauf gedrängt. Es fühlt sich leider nicht wirklich echt an, sondern eher wie eine Verkaufsveranstaltung. Da viele meiner Fragen offen geblieben sind, habe ich mich dazu entschlossen, auf meiner Kenia Reise einen neuen Versuch zu starten. Diesmal jedoch auf andere Art und Weise und mit mehr Zeit. An dieser Erfahrung möchte ich Sie gerne teilhaben lassen.

Zwischen Nairobi und der weltberühmten Masai Mara liegt ein von Massai geführtes Eco Camp. Da sich die Lage hervorragend für eine ganztägige Exkursion in die Masai Mara anbietet, habe ich im Camp insgesamt drei Nächte verbracht und dabei einen vollen Safari Tag mit vielen spannenden Eindrücken erleben dürfen. Das Gate der Masai Mara liegt nur ca. 1,5 Fahrstunden entfernt und Sie sparen sich so ganz nebenbei die hohen Übernachtungskosten der im Park gelegenen Camps. Aber nicht nur der Besuch der Masai Mara ist ein Grund, mehrere Nächte im Eco Camp zu verbringen. Die hier lebenden Massai sind ganz tolle Gastgeber und ich habe mich von der ersten Sekunde an sehr wohl und willkommen gefühlt. Im Verlauf der insgesamt vier Tage habe ich sehr viel über die Massaikultur erfahren dürfen und die intensiven Gespräche abends am Lagerfeuer sehr genossen. Bereits nach diesen ersten paar Stunden hatte ich einen ganz anderen Eindruck gewonnen, als auf meiner damaligen Reise in Tansania.

Von Massai geführtes Eco Camp in den Loita Hills - Maji Moto

Von Massai geführtes Eco Camp in den Loita Hills

Das Eco Camp liegt in den Loita Hills und Sie genießen einen traumhaften Ausblick über die weite Savanne. Sie übernachten in einfachen, geräumigen und sauberen Kuppelzelten mit richtigen Matratzen, die sich über das gesamte Gelände verteilen. Die Sanitäranlagen sind ebenfalls an verschiedenen Stellen erbaut worden. Da Sie sich mitten in der Natur befinden, duschen Sie unter freiem Himmel und können selbst von der Toilette den einmaligen Ausblick genießen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl unter dem warmen Wasserstrahl zu stehen und dabei die untergehende Sonne in der Ferne beobachten zu können. Oder auch die erfrischende Dusche zur späteren Stunde unterm leuchtenden Sternenzelt ist eine ganz besondere Erfahrung. Auch wenn ich bereits verschiedene Outdoor-Duschen auf unterschiedlichen Reisen genutzt habe, ist es auch für mich immer wieder ein tolles Erlebnis. Den Sternenhimmel sollten Sie sich sowieso auf keinen Fall entgehen lassen. Inmitten der Natur ohne Lichtquellen fühlt sich der Himmel wirklich unendlich an. Das gesamte Camp ist mit sehr viel Liebe zum Detail errichtet worden und es wird Ihnen an nichts fehlen. Sehr zu loben sind auch die Kochkünste. Jede Mahlzeit war unglaublich lecker und wurde frisch zubereitet. Verpassen Sie auf keinen Fall das „Ugali“. Hierbei handelt es sich um ein traditionelles Gericht aus Ostafrika, bestehend aus Maismehl, das zu einem festen Brei verkocht wird und mit einer Fleischbeilage serviert wird. Auf meinen Reisen schlemme ich mich immer wieder gerne durch landestypische Gerichte und deshalb durfte Ugali in Kenia nicht fehlen.

Gemütliche, geräumige Zelte und Dusche mit Ausblick -Maji Moto

Gemütliche, geräumige Zelte und Dusche mit Ausblick

Während Ihres Aufenthaltes haben Sie eine Außendusche mit einer spektakulären Aussicht.

Mein 4-tägiger Aufenthalt bei den Massai zählt zu einem der größten Highlights während meiner Kenia Reise. Im Vorfeld habe ich damit überhaupt nicht gerechnet, da ich um ehrlich zu sein nicht wirklich gerne campe und der ganzen Angelegenheit zunächst etwas skeptisch gegenüber stand. Aber die Herzlichkeit meiner Gastgeber, die liebevoll gestaltete Anlage, die köstlichen Mahlzeiten und das abwechslungsreiche Programm während meines Aufenthaltes haben mich tief beeindruckt und ich hätte meinen Aufenthalt letztendlich sehr gerne noch verlängert. Ich fühlte mich wirklich für ein paar Tage lang als Mitglied der Massai-Familie und die Aussage „Home away from Home“ wurde tatsächlich wahr. Mit diesen Worten wurde ich bei meiner Ankunft begrüßt.

Da ich am Anreisetag erst am späten Nachmittag ankam, stand für den Abend nur noch ein köstliches Abendessen und gemütliches Beisammensein am Lagerfeuer auf dem Programm. Die Massai beantworten gerne Ihre Fragen und sind selbst ganz neugierig, wen sie für die nächsten Tage in Ihre Familie aufnehmen. Der nächste Morgen startete dann nach einem ausgiebigen Frühstück aktiv mit einem Nature Walk durch die Umgebung bis hinauf zum höchsten Punkt der Loita Hills. Ich wurde dabei von einem Massai begleitet und lernte viel über die Verwendung verschiedenster Pflanzen. Die Massai ernähren sich fast ausschließlich von ihren eigenen Kühen, Ziegen und den Pflanzen, die ihnen die Natur bietet. Darüber hinaus bietet die Natur aber auch die verschiedensten Möglichkeiten zur Körperhygiene, Wundversorgung und liefert den Zündstoff, um am Abend ein wärmendes Feuer zu entfachen. Von all diesen Kleinigkeiten war ich sehr beeindruckt und musste teils doch auch sehr schmunzeln. Wir Europäer sind es gewöhnt, einfach alles Notwendige im Supermarkt zu kaufen ohne überhaupt noch einen Gedanken daran zu verschwenden, was uns die Natur alles bietet.

Eine Flötenakazie – Lebensraum für Ameisen. Namensgebend ist der Pfeifton, der entsteht wenn der Wind durch ihre Löcher pfeift.

Der Nature Walk führte mich über Stock und Stein hinauf zu einem spektakulären Aussichtspunkt. Aufgrund des vielen Gerölls sollten Sie immer „pole pole“ (langsam, langsam) machen. Gefühlt können Sie von hier bis nach Nairobi blicken. Hier habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, eine Weile zu entspannen und den Moment auf mich wirken zu lassen, bevor es durch Sträucher und unebene Wege wieder zurück zum Camp ging.

Ausblick vom höchsten Punkt der Loita Hills

Dort wurde zwischenzeitlich bereits das Mittagessen vorbereitet. Gut gesättigt und doch sehr erschöpft, galt es nun etwas zu entspannen. Es finden sich überall auf dem Gelände kleine, gemütliche Plätze, die zum Entspannen einladen und einen sensationellen Blick in die Umgebung bieten.

Bekanntlich jagt auf einer Reise aber ein Highlight das Nächste. Auch wenn ich dachte, der Morgen hätte bereits genug Eindrücke geboten, ging es am Nachmittag ebenfalls wieder über unbefestigte Wege in das nahe gelegene Dorf Maji Moto. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um die zu Beginn beschriebenen kreisförmig angeordneten Lehmhütten, sondern um ein normales Dorf mit richtigen Häusern. „Maji Moto“ ist Swahili-Sprache und bedeutet „Heiße Quelle“. Das Dorf trägt nicht umsonst diesen Namen. Gleich neben dem Dorf befinden sich tatsächliche heiße Quellen, von denen die Dorfbewohner und auch das Eco Camp ihr heißes Wasser beziehen. Sie duschen somit während Ihres Aufenthaltes unter dem Wasser einer nahe gelegenen Quelle, welches jeden Morgen aufs Neue von den Massai zum Camp transportiert wird. An den Quellen tummeln sich viele Dorfbewohner, um Wasser für den Eigenbedarf abzufüllen oder auch ihre Wäsche zu waschen. Lassen Sie sich auf keinen Fall den Besuch von Maji Moto entgehen. Die Dorfbewohner freuen sich sehr darüber. Sie werden zwar vielleicht neugierig beäugt, aber überall freundlich gegrüßt und mit offenen Armen empfangen. Insbesondere die Kinder freuen sich immer über ein „weißes“ Gesicht und winken Ihnen fröhlich zu. Hier erleben Sie den ganz normalen Alltag der Massai-Bevölkerung.

Dorfbewohner an den heißen Quellen- Maji Moto

Dorfbewohner an den heißen Quellen

 

Begegnung mit Einheimischen in Maji Moto - Maji Moto

Begegnung mit Einheimischen in Maji Moto

Der darauffolgende Tag stand ganz im Zeichen der Safari und ich habe den Tag in der Masai Mara verbracht. Wie anfangs bereits erwähnt, bietet das Camp eine hervorragende Ausgangsbasis für den Besuch des Nationalparks und ist dabei zugleich die günstigere und schönere Variante.

Nach meiner Rückkehrer wurde es am späten Nachmittag im Eco Camp dann nochmals richtig lustig und spannend. Beim sogenannten „Warrior Training“ erhielt ich einen kurzen Einblick, was es heißt eine Ausbildung zum Krieger zu absolvieren. Auch wenn ich dieses Training gemeinsam mit anderen Gäste und unseren Gastgebern nur im Spaß absolvierte, ließ sich doch recht schnell erkennen, mit welcher Freude und Kraft die Massai diese Tätigkeit ausüben. Im Grunde handelt es sich um eine Art „Völkerball-Spiel“, jedoch mit weichen Stöcken statt eines Balls. Unterteilt in zwei Teams galt es nun die Gegner zu treffen und somit zu eliminieren. Langsam ging auch die Sonne unter und wir durften an den traditionellen Tänzen der Massai im Anschluss teilnehmen, auch wenn mir zunächst nicht ganz klar war, welche Bedeutung diese haben. Es ist ziemlich beeindruckend, wie hoch ein Massai springen kann und welche Laute er hervorbringt.

Traditionelle Tänze sind immer mit hohen Luftsprüngen verbunden - Maji Moto

Traditionelle Tänze sind immer mit hohen Luftsprüngen verbunden

Der lustige Nachmittag und die gemeinsame Aktivität mit allen Massai aus dem Camp hat mich eine richtige Zugehörigkeit spüren lassen. Zumal ich wirklich das Gefühl hatte, nun das Leben der Massai authentisch zu erleben und nicht in einer einstudierten Show gelandet zu sein. Die Tänze und Gesänge haben aber natürlich auch einige Fragen aufkommen lassen. In gemütlicher Atmosphäre des Lagerfeuers wurde uns dann abends im Detail erklärt, was es damit auf sich hat und wofür jeder einzelne Tanz und jedes Lied steht. Auch die generelle (und teils recht grausame) Entwicklung eines Massai Kriegers von klein auf, wurde uns erläutert. Diese Unterhaltung hier wiederzugeben, würde allerdings den Rahmen sprengen. Die Massai sind eine sehr spannende Volksgruppe, die man während einer Reise durch Ostafrika in jedem Fall erlebt haben sollte. Jedoch fällt es mir persönlich sehr schwer, deren Lebensweise und Ansichten in vielen Punkten nachzuvollziehen. Dennoch bin ich sehr dankbar für diese unglaubliche Erfahrung während meiner vier Tage in absoluter Abgeschiedenheit.

Abendliche Stimmung beim Lagerfeuer - Maji Moto

Abendliche Stimmung beim Lagerfeuer

Der Abschied ist mir sehr schwer gefallen und ich bin mir ziemlich sicher, bei einer meiner nächsten Kenia Reisen wieder hierher zurück zu kehren. Das Eco Camp hat noch viele weitere spannende Aktivitäten zu bieten wie z. B. Mountainbike-Touren, Schulbesuche oder eine mehrtägige Wanderung zur Masai Mara gemeinsam mit den Massai. Ein Aufenthalt hier wird sicherlich nie langweilig. Wenn Sie also Wert auf ein wirklich echtes Massai Erlebnis legen, sprechen Sie mich an. Gerne plane ich auch Ihren Aufenthalt in den Loita Hills.

Eine Reise durch Kenia lässt sich übrigens auch hervorragend mit Tansania kombinieren. Ich bin sehr glücklich, beide Länder bereist zu haben und habe jedes für sich lieben gelernt. Auch wenn es direkte Nachbarn sind, werden Ihnen sicherlich die kleinen Unterschiede sofort ins Auge fallen.

Zu der Kenia und Tansania Rundreise »


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